Auch am dritten Reisetag hält sich (weitestgehend) das schöne Sommerwetter der letzten Tage, sodass die für heute geplante „Besteigung“ sich lohnen sollte 😉 Heute fahren wir von Saarbrücken durch das Nahetal bis ins Stadtgebiet von Bad Kreuznach, folgen dann der Alsenz nach Kaiserslautern und drehen noch eine Runde im Pfälzer Bergland, bevor wir abends die „Metropole“ der Westpfalz erreichen – und das alles ausschließlich mit Dieselfahrzeugen.


Der RE 3 ist die schnellste Verbindung im Nahverkehr von Saarbrücken über Mainz nach Frankfurt und dem entsprechend bei Inhabern des Deutschland-Tickets beliebt. An einem Dienstag zur Schulzeit hält sich der Andrang jedoch in Grenzen. Der Zug verlässt Saarbrücken pünktlich um 8:51 und fährt anschließend über die „direkte“ Strecke, also über Sulzbach/Saar und Friedrichsthal, nach Neunkirchen/Saar. Weder Sulzbach noch Neunkirchen liegen übrigens an der Saar. Das „Saar“ im Namen weist auf die Zugehörigkeit zum Saargebiet im Sinne der (Sonder-)Verwaltungseinheit in den 1920er-Jahren hin. Es lässt sich heute jedoch auch auf die Zugehörigkeit zum Bundesland Saarland übertragen. Neben dieser direkten Strecke gibt es, wie am Vortag ausgeführt, auch noch die Strecke von Saarbrücken über Quierschied und Wemmetsweiler nach Neunkirchen, die von der RB 76 genutzt wird. Neunkirchen ist deshalb ein wichtiger Knotenpunkt im saarländischen Streckennetz. Dort kommen noch einige Umsteiger aus der RB 74 von Homburg in unseren Zug hinzu. Anschließend fahren wir weiter über St. Wendel und den Bahnhof Türkismühle (Bus-Anschluss nach Hermeskeil) zum Ende des elektrifizierten Streckenabschnitts in Neubrücke an der Nahe.

In Neubrücke endet Elektrifizierung der Strecke und damit auch die RB 73. Der Grund für beides ist leicht auf einer Landkarte erkennbar: Neubrücke liegt bereits einen Kilometer landeinwärts in Rheinland-Pfalz – wir haben also eine Landesgrenze überschritten! Für ein kurzes Stück bis zum Bahnhof Heimbach an der Nahe bildet der RE 3 somit die einzige Linie auf der Strecke. Leidtragende sind die Einwohner der Gemeinde Hoppstädten, deren Haltepunkt zwischen den Bahnhöfen Neubrücke und Heimbach liegt, sodass dort nur wenige Verstärkerzüge und Tagesrandverbindungen halten. In Heimbach biegt die rheinland-pfälzische RB-Linie 34 von Baumholder in die Nahebahn ein. Die 2015 reaktivierte Strecke bietet der Gemeinde Heimbach einen deutlich ortsnäheren Haltepunkt, sodass auch der abseits gelegene Knotenbahnhof Heimbach nur von wenigen Zügen am Tag bedient wird.


Eigentlich gibt es keinen Grund, hier auszusteigen, denn der RE 3 fährt direkt zu unserem nächsten Ziel Bad Münster am Stein. Aber wir haben an diesem Tag Zeit und können es uns leisten, hier eine kurze Pause einzulegen und danach auf die langsame Art weiter zu reisen 🙂



2014, als die IC entlang der Moselstrecke eingestellt wurden, stürzten sich die Reporter des SWR darauf und machten den Selbstversuch zum Beweis, wie schlecht Trier denn nun an Frankfurt angebunden sei. Damals fuhren noch Regiobusse mit deutlich weniger hochwertigem Fahrzeugmaterial von Trier zum Bahnhof Türkismühle und stellten dort den (knappen) Anschluss zum RE 3 her. Heute verbindet die Linie 800 mit bequemen Doppeldeckern direkt das Oberzentrum Trier mit dem Mittelzentrum Idar-Oberstein und die Umsteigezeit von rund 20 Minuten zum RE 3 ist auch sehr komfortabel. Leider ist die Verbindung dadurch mit einer Gesamtreisezeit von 4 Stunden so langsam geworden, dass der Umweg über Koblenz oder Saarbrücken fast immer schneller ist.








Bad Münster am Stein-Ebernburg ist seit rund 10 Jahren ein Stadtteil von Bad Kreuznach. Der Namenszusatz „am Stein“ bezieht sich auf den Rotenfels, einen Berg, dessen steile Felswand zur Nahe hin in Bild 3-12 erkennbar ist. Die 200 m hohe Steilwand ist die höchste in Deutschland nördlich der Alpen und daher ein beliebtes Ziel für Kletterer, obwohl die Kletterrouten als sehr schwierig und gefährlich gelten. Das Plateau oberhalb der Steilwand lässt sich glücklicherweise aber auch einfacher und durch „Jedermann“ über einen Waldwanderweg erreichen.







Spätestens beim Abstieg bekomme ich zu spüren, dass das Mitführen von Wanderstiefeln eine gute Idee gewesen wäre. Mit meinen abgelaufenen Straßenschuhen am Ende der Nutzungsdauer ist gerade der Abstieg doch eher beschwerlich. Trotzdem erreichen wir den Bahnhof rechtzeitig zur Weiterfahrt in Richtung Kaiserslautern.

Die Linie RE 15 ist eine Verstärkerlinie auf der Relation Kaiserslautern – Bad Kreuznach – Mainz, die sonst nicht direkt angeboten wird. Der Zug fährt in dieser Zeitlage primär für die Heimfahrt der Halbtagsschüler aus Bad Kreuznach, wird aber auch in den Ferien angeboten. Von Mainz bis Bad Kreuznach fährt der RE ohne Halt, danach hält der Zug überall. Seiner Funktion als Schülerzug entsprechend leert er sich mit jedem Halt zunehmend, sodass am Ende nur wenige Fahrgäste bis Kaiserslautern im Zug verbleiben.

Ab Enkenbach, wo wir bereits an Tag 1 vorbei gekommen sind, nutzt der RE 15 nicht die direkte Strecke über Eselsfürth nach Kaiserslautern, sondern den Umweg über Hochspeyer. Auf der eingleisigen direkten Strecke wäre zu dieser Zeit keine Trasse frei, da bereits der RE 17 nach Koblenz in regulärer Taktlage diese von ca. 14:00 bis 14:15 belegt.

Zwischen Hochspeyer und Kaiserslautern fährt der Zug ein Stück auf der Pfälzischen Ludwigsbahn, der Hauptstrecke von Saarbrücken über Kaiserslautern nach Mannheim. Die Strecke durchquert hier auch den rund 1,5 Kilometer langen Heiligenbergtunnel.

Hier spielt der 1. FC Kaiserslautern, Stolz der Stadt und dominierender Fußballverein in der gesamten Pfalz (auch wenn KSC oder Waldhof ggf. etwas anderes behaupten ;). Als Pfälzer kommt man mit dem Verein natürlich schon früh in Berührung. Allerdings muss ich klar zugeben, dass sich bei mir keine Leidenschaft für Fußball heraus gebildet hat – weder als Spieler noch als Fan. Ich kann die Faszination dahinter dennoch verstehen. 2014 war ich einmal „uff ‚em Betze“ – montags abends für das Rückrundenheimspiel in der 2. Liga gegen den FC Köln. Das Spiel endete trotz gutem Engagement auf beiden Seiten torlos und so blieb der Abend auch friedlich. Trotzdem war für mich die An- und Abreise mit dem Sonderzug im n-Wagen das eigentliche Highlight des Abends 😉

Unser Tagesziel ist die Stadt Pirmasens, keine Stunde mit der Bahn von Kaiserslautern entfernt. Da es aber erst früh am Nachmittag ist, drehen wir noch eine Runde mit den Linien RB 66 und RB 67 durch das Pfälzer Bergland.



Da sich erst zu unserer planmäßigen Abfahrtszeit um 14:40 die S 1 auf den Weg macht, müssen wir noch einige Minuten auf unsere Abfahrt warten. In Anbetracht von 6 Minuten Umsteigezeit später in Altenglan zum Bus ist das suboptimal, aber im Urlaub machen wir uns deswegen keinen Stress 😉 Wie erwähnt fährt die RB 67 von Kaiserslautern bis Landstuhl planmäßig der S 1 hinterher. Die S 1 hält überall, die RB 67 jedoch nur in Kindsbach. Der Tf fährt deshalb trotz leichter Verspätung mit gemütlichen 80 – 100 km/h und bekommt dennoch die eine oder andere PZB-Beeinflussung, aus der er sich aber später wieder befreien kann. In Landstuhl verlassen wir mit ca. +5 die Hauptstrecke, umfahren den US-amerikanischen Luftwaffenstützpunkt Ramstein AB und kreuzen in Ramstein den dort schon auf uns wartenden Gegenzug.



Der Bus der Linie 270 aus Kusel nach Lauterecken kommt pünktlich um 15:33 am Bahnhof Altenglan vorbei uns ist zu diesem Zeitpunkt schon recht voll mit Schülern, die von Kusel aus nach Hause wollen. Der Bus leert sich aber schon im Nachbarort so stark, dass alle verbleibenden Fahrgäste einen Sitzplatz haben. Unsere Fahrt entlang der B 420 verläuft parallel zur Draisinenstrecke. Unterwegs passieren wir auch die Ortschaft Ulmet, die leider Anfang 2022 in die Schlagzeilen geriet. Ein Wilderer hatte zur Vertuschung seiner Straftaten zwei Polizisten erschossen, an die ein Mahnmal in der Ortsmitte bis heute erinnert. Die Ortschaft selbst kommt aber davon ungeachtet sehr einladend daher 🙂


Interessant fand ich, dass rund 15 Schüler aus Kusel bis Lauterecken im Bus geblieben sind, obwohl Lauterecken selbst Schulstandort mit Realschule plus und Gymnasium ist. Wie dem auch sei: In Lauterecken haben wir im Gegensatz zu dem knappen Umstieg in Altenglan noch eine halbe Stunde bis zur Weiterfahrt, sodass wir uns kurz den Ort anschauen.



Zurück am Bahnhof stellen wir fest, dass die RB 66 zurück nach Kaiserslautern heute auf sich warten lässt. Ursächlich ist der Einsatz eines älteren Triebwagens der Baureihe 628 auf dem anderen Umlauf. Das „Beschleunigungswunder“ kommt mit den knappen Fahrzeiten und kurzen Halteabständen nur bedingt klar und baut so auf der Strecke kontinuierlich ein wenig Verspätung auf. Da der Fahrplan andererseits auf Kante genäht ist, um die gesamte Strecke in einer Stunde mit zwei Umläufen zu schaffen, übertragen sich kleinere Verspätungen häufig auf die Gegenrichtung. Auch die knappe Wende in Lauterecken bietet kaum Reserve zum Verspätungsabbau. Normalerweise funktioniert der Fahrplan aber auch bei 628-Einsatz einigermaßen; heute jedoch leider nicht. Den Grund dafür erfahren wir später noch. Jedenfalls verschiebt sich der gesamte Betriebsablauf durch die verspäteten Kreuzungen in Olsbrücken in der Mitte der Strecke um ca. 10 Minuten nach hinten.

Trotz einer schnellen Wende bleiben bei der Abfahrt rund 8 Minuten Verspätung aus der vorherigen Fahrt hängen.

Trotz unserer eigenen Verspätung treffen wir zuerst für die Kreuzung in Olsbrücken ein. Dort passiert zunächst gar nichts. Dann erhält der Tf einen Anruf und unterhält sich mit seiner Zugbegleiterin, die verwundert im lokalen Dialekt entgegnet: „Was, der is laie geblibb‘?!“ Tatsächlich scheint der 628 aus dem anderen Umlauf schon länger ein technisches Problem zu haben, denn dessen Verspätung wächst während der Fahrt ungewöhnlich stark an. Das scheint die Ursache für den unrunden Betriebsablauf heute zu sein. Schließlich erreicht der in Kaiserslautern noch mit +5 gestartete Zug um 17:12 Olsbrücken mit +13 und das war es dann für ihn. Die Fahrgäste werden hier entlassen und der 628 später als Leerzug in die Werkstatt überführt. Dessen Umlauf fällt bis 18:30 aus. So viel zur bewährten alten Technik…





Das „SyltShuttle Plus“ war eine „geniale“ Idee von DB Fernverkehr, um Konkurrenten im Autoverlad über den Hindenburgdamm klein zu halten. Denn eine Trasse bekommt ganz vereinfacht gesprochen derjenige zugewiesen, der weiter fährt. Also hatte die DB einen 628 an den Autozug angehängt, der von Niebüll aus noch einige Kilometer weiter bis Bredstedt fuhr. Schon haben die „Autozüge“ der DB einen längeren Laufweg als die der Konkurrenz, die nur zwischen den Autozug-Terminals in Westerland und Niebüll pendeln. Die Züge standen von Westerland bis Niebüll und Bredstedt durchgehend Fahrgästen zum Fernverkehrstarif offen. Sie waren aber zwischen Westerland und Niebüll wegen der notwendigen Rangiermaöver zum An-/Abhängen an den Autozug deutlich langsamer als die regulären Nahverkehrszüge. Eine nennenswerte Nachfrage gab es also nicht. Inzwischen hat sich der Markt für den Autoverlad reguliert, sodass das „SyltShuttle Plus“ aus dem Angebot verschwunden ist. Die freigewordenen Triebwagen werden heute z. T. im Dieselnetz Pfalz weiterverwendet.
Dank der Verspätung schenkt uns die DB eine Stunde Aufenthalt in Kaiserslautern. Neben einem kurzen Besuch im Einkaufszentrum „K in Lautern“ verbringen wir die Wartezeit am Bahnhof.




Zwar eine Stunde später als gedacht, aber dafür in der neuen Zeitlage pünktlich beginnt die letzte Zugfahrt des Tages. Rund 45 Minuten dauert die Fahrt durch den Pfälzerwald nach Pirmasens.


Wenige Minuten später checken wir sehr zur Freude der Rezeptionistin im wohl einzigen Business-Hotel der Stadt ein, denn wir sind heute die letzten und sie macht umgehend darauf Feierabend. Es folgt noch eine kleine abendliche Runde durch Pirmasens, bevor wir den Reisetag endgültig für beendet erklären. Pirmasens ist die einzige größere Stadt im Umkreis und somit Zentrum der Westpfalz. Die Westpfalz gilt als eine der strukturschwächsten Regionen in Westdeutschland. Abwanderung und Überalterung der Bevölkerung in den zahlreichen kleinen Landgemeinden bestimmen hier die Gesellschaft. Die Ursache ist in der Wirtschaftsgeschichte von Pirmasens zu finden. Die Stadt galt lange als Zentrum der Deutschen Schuhindustrie, sodass die Wirtschaft voll auf die Schuhproduktion ausgelegt war. Diese Branche wanderte im späten 20. Jahrhundert jedoch zunehmend in Niedriglohnländer ab. Zurück bleibt ein Mangel an Arbeitsplätzen, der zu den genannten Effekten sowie einer hohen kommunalen Verschuldung und einer hohen Quote an Empfängern von Sozialleistungen führt. 2021 war ich hier im Rahmen einer Parkraumerhebung als Nebenverdienst für Studenten im Einsatz. Es ist schon eine zweifelhafte Erfahrung, Anfang Oktober werktags nachts um 4 Uhr auf der Straße das laufenden Fernsehprogramm im Wechsel mit dem Klirren von Bierflaschen aus den angrenzenden Wohnungen zu hören. Zumal die Begrüßung von Passanten auf der Straße mit „Was guck’sch du?“ und „Ich beiß‘ ned – noch ned!“ gleichwohl „herzlich“ ausfällt. Glücklicherweise habe ich Primasens an diesem Abend von der anderen Seite kennen gelernt mit freundlichen und friedlichen Menschen im Park und in der Stadt, die den schönen Spätsommer genießen. Trotzdem bleiben die sozialen Probleme hier sichtbar. Bestes Indiz dafür: 2021 wurden an einem Schaukasten Mietwohnungen beworben. Da gab es 30 qm für 150 € kalt, sofort verfügbar und wenn gewünscht befristet. In anderen Städten käme ein solches Angebot einem Lottogewinn gleich 😉

Im Dynamikum war ich zur Schulzeit öfter – egal ob mit der Schule oder privat. Auf einem Schulausflug in der 6. Klasse durfte ich dabei erfahren, dass es auch unter Lehrern erfahrene Bahnfahrer und absolut Ahnungslose gibt. Die Hinfahrt hatte einen 3-Minuten-Umstieg in Landau von Gleis 2 auf Gleis 1 im Programm (der Bahnhof wurde damals barrierefrei ausgebaut), der effektiv so gelaufen ist: Ein Lehrer sputet rüber, stellt sich in die Tür der RB 55 und zählt die Einsteiger. Eine andere Lehrerin zählte am Zubringer die Aussteiger und ging als Letzte mit zu Gleis 1. So haben wir den Umstieg trotz Durchzählen und Bahnsteigwechsel geschafft, ohne die Abfahrt des Anschlusszuges zu behindern. Problem: Nach der Abfahrt bemerkten wir, dass eine ganze Klasse zu wenig an Bord war. Deren Lehrerin, die sich nicht mit dem Rest abgestimmt hat, hatte nämlich den Ausstieg aus der RB 51 verpennt und fuhr mit ihrem Tross bis Winden mit. Die mussten dann von dort erst mit dem Gegenzug nach Landau zurück fahren und kamen schließlich mit dem Folgetakt der RB 55 eine Stunde später in Pirmasens an.






Leider hat der einzige richtige Imbiss im Stadtzentrum am „Exe“ zu diesem Zeitpunkt Betriebsferien, sodass ich für das Abendmahl auf den nahen Supermarkt ausweiche. Damit geht der Tag dann zwar eine Stunde später als geplant, aber trotzdem versöhnlich zu Ende. Leider ist die Schönwetterphase damit erstmal vorbei, sodass wir für unsere Tour durch den Pfälzerwald am Folgetag mit eher bedecktem Himmel rechnen müssen. Diese Sorge verschieben wir aber in den neuen Tag 😉