Vorwort

Nach der Fernreise nach Japan im Vorjahr sollte es dieses Jahr zu einer fast vollständig gegensätzlichen Reiseerfahrung in die andere Richtung gehen: nach Kanada! Wie kommt man auf Kanada?

Nun, „einmal nach Amerika“, so lautet nach wie vor ein weit verbreitetes Ziel unter Jugendlichen hierzulande. Und mit „Amerika“ meinen sie Nordamerika und damit wiederum meist die USA. Die Gründe dafür sind vielfältig: Einerseits sind die amerikanischen Einflüsse auf unser kulturelles Leben (Musik, Filme, Fast Food, etc.) kaum zu übersehen. Andererseits werden die USA im Laufe der Schulbildung häufig thematisiert und einige Mitschüler mit eher vermögenden Eltern verbringen sogar ein halbes oder ganzes Schuljahr dort. Für mich kam das aber nie in Frage, denn Geld wäre eh keines da gewesen und selbst wenn hätte ich den Aufwand gescheut. Trotzdem habe auch ich über die Schul- und Studienzeit eine gewisse Faszination für „Amerika“ entwickelt. Da könnte ich doch dieses Jahr nun zur Reise in die USA aufbrechen, oder?

Leider kam am 20. Januar 2025 jemand dazwischen. Ich war ja schon während seiner ersten Amtszeit kein Fan von Donald Trump und war schließlich froh, als er 2021 endlich (leider auf sehr denkwürdige Art und Weise…) abgelöst wurde. Sein in Teilen autokratisch anmutender Regierungsstil gab mir schon damals zu bedenken. Zu diesem Zeitpunkt bestand aber noch Hoffnung, dass Trump nicht noch einmal zurückkehren wird. Doch das Risiko war immer da und langsam setzte Ernüchterung ein, als er sich im Laufe des Jahres 2024 in den primaries (Vorwahlen) als Spitzenkandidat der Republikanischen Partei für die Präsidentschaftswahl erneut durchsetzen konnte. Schon vor der Wahl habe ich daher für mich festgelegt: Sofern und solange Trump Präsident ist, werde ich die USA nicht betreten! Am 5. November 2024 entschied schließlich das US-amerikanische Volk, Trump trotz aller Kritik erneut zum Präsidenten zu wählen. Damit war für mich dann auch klar, dass die USA in der Liste der Wunschziele auf frühestens 2029 verschoben wird. In Anbetracht des harten Vorgehens der Einwanderungsbehörde auch gegen eigene Staatsangehörige und der verschärften Verpflichtungen zur Offenlegung persönlicher Daten bei der Einreise, werte ich die Entscheidung gegen die USA zum jetzigen Zeitpunkt im Nachhinein als richtig. Ich hoffe, dass sich die Situation ab 2029 verbessert, egal ob ein Demokrat oder ein Republikaner ins Weiße Haus einzieht (Hauptsache eben nicht Trump!).

Damit genug zur Politik und zurück zu „Amerika“ an sich. Wie eingangs erwähnt, bilden die USA das engere Verständnis von „Nordamerika“, aber es gibt dort ja noch zwei andere Nationen. Da ich im Urlaub gerne mit der Bahn unterwegs bin (wo in Nordamerika die Auswahl zwischen „wenig“, „sehr wenig“ und „fast gar nichts“ besteht…), kaum Spanisch spreche und die Sicherheitslage in Mexiko auch eher angespannt ist, bleibt als Ziel in „Amerika“ nur noch ein Land übrig: Kanada! Dazu sei erwähnt, dass Kanada auch zuvor schon eines meiner langfristigen Wunschziele war, aber ursprünglich in der Prioritätenliste (möglicherweise zu Unrecht!) eher weiter hinten stand. Durch die politische Lage in den USA hat dieses spannende Reiseland nun aber an Beachtung gewonnen 😉 Tatsächlich sind sich die USA und Kanada kulturell sehr ähnlich, auch wenn die Kanadier gerne die Unterschiede betonen 😉

Die beste Reisezeit für Kanada ist im Sommer, denn der kanadische Winter ist lang und kalt. Leider sind die Hotelpreise in der Hochsaison im Juli und August kaum bezahlbar. Deshalb habe ich mich für die Vorsaison im Mai / Juni entschieden. In diesem Jahr richten die nordamerikanischen Staaten jedoch im Juni die Fußball-WM aus, sodass die Hotelpreise schon früher im Jahr in astronomische Höhen steigen. Letztlich wurde der Reisetermin auf Mitte Mai festgelegt. Die Zielregion im Land war da deutlich einfacher festzulegen: Es geht ins Québec und nach Ontario, denn außerhalb dieser Provinzen hört das brauchbare Bahnangebot ziemlich schnell auf. Details dazu später im Bericht. Eingeleitet wird die Reise jedoch mit einer Fahrt im Nachtzug von Halifax an der Atlantikküste nach Québec Ville. Gebucht wurde passend dazu einige Monate vor der Reise ein Gabelflug von Frankfurt nach Halifax hin und 10 Tage später von Toronto nach Frankfurt zurück.

Für die Fahrten mit VIA Rail Canada wurden ausschließlich Einzelfahrkarten genutzt – etwas anderes wäre auch kaum möglich gewesen, denn einen „Rail Pass“ gibt es in Kanada nicht. Die Hauptreise von Halifax nach Québec und weiter entlang des „Corridor“ bis Toronto erfolgt im Schlafwagen bzw. in der Business Class. Alle anderen Fahrten finden in der Economy Class statt.

Abschließend noch ein Hinweis zu den Preis- und Währungsangaben im Bericht: Die Staatswährung in Kanada ist der kanadische Dollar (CAD), der im Kurs gegenüber dem Euro etwas schwächer ist als der US-Doller (USD) und daher nicht mit diesem zu verwechseln ist. Wenn im Bericht nur von „Dollar“ die Rede ist, sind damit kanadische Dollar gemeint. Zum Zeitpunkt der Reise lag der Wechselkurs ca. bei 1,00 € = 1,60 CAD. Neben den Preisen in Dollar ist der zum Reisezeitpunkt gültige Gegenwert in Euro auf 10 Cent gerundet angegeben. Dabei handelt es sich natürlich nur um Orientierungswerte, die bei zukünftigen Kursschwankungen abweichen können. Zudem sind im Bericht stets die Brutto- bzw. Endpreise angegeben – also das, was der Kunde auch zu bezahlen hat. Wem das noch nicht bekannt ist: In Kanada werden für Produkte und Dienstleistungen oft Nettopreise angegeben, auf die an der (Online-)Kasse dann noch Steuern und Abgaben, z. B. die Mehrwertsteuer, aufgeschlagen werden. Der Preis an der Kasse liegt also über dem Preis „am Regal“. Dieses Muster zieht sich durch viele Branchen und Vertriebskanäle, von Hotelbuchungen über Eintrittskarten bis zum klassischen Einkauf im Supermarkt oder zum Restaurantbesuch. Im Bericht ist stets der Endpreis einschließlich aller Steuern (jedoch ohne Trinkgeld) angegeben.

So, dann kann die Reise nach Kanada jetzt endlich losgehen! Oder doch nicht? Zwei Wochen vor Abflug – und damit pünktlich, um mir keine Entschädigung zugestehen zu müssen – kam von der Airline die Nachricht, dass mein Hinflug gestrichen sei. Alternativen? Der Direktflug wird nur alle zwei Tage angeboten, sodass ich vor der Wahl stehe: 2 Tage früher oder 2 Tage später! Letzteres kommt nicht in Frage, denn zu diesem Zeitpunkt möchte ich schon mit dem Zug viel weiter sein. Also entscheide ich mich für die Anreise 2 Tage früher. Mehr Details zum Flugausfall und den Auswirkungen auf den Reiseverlauf folgen im Berichtsteil zum Hinflug. Jedenfalls komme ich am Ende schon am Sonntag statt am Dienstag abends in Halifax an und habe zwei Urlaubstage dort „gewonnen“. Was ich in diesen beiden „Zusatztagen“ unternehme, ist in einem eigenen Berichtsteil beschrieben, der als „Tag 0“ bezeichnet wird. Soviel sei hier schon verraten: Teil 0 hat nicht direkt mit der Eisenbahn zu tun, dafür umso mehr mit dem Land an sich und dem ÖPNV auf der Straße.

Nachfolgend wünsche ich Ihnen viel Spaß mit dem nachfolgenden Reisebericht 🙂

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