Am siebten Reisetag werden wir zunächst einige Kilometer mit dem Bus zurück legen und dabei am südlichsten Punkt des europäischen Festlandes vorbei kommen, ehe wir am Nachmittag wieder auf die Eisenbahn treffen und damit unser Tagesziel Sevilla erreichen werden. Noch befinden wir uns jedoch in La Línea de la Conceptión, der spanischen Grenzstadt zu Gibraltar. Nach dem Besuch dort am Vortag schauen wir uns heute noch etwas auf der spanischen Seite der Grenze um.



Um 10:45 verlassen wir die Stadt mit einem der halbstündlich verkehrenden Linienbusse des Unternehmens Comes nach Algeciras.

Der Bus fährt im Gegensatz zu der direkten Verbindung am Vortag an einigen Stellen kurz von der Autobahn ab, um kleinere Haltestellen zu bedienen. Trotzdem dauert die Fahrt nicht wesentlich länger als mit dem Direktbus; Algeciras wird nach rund 45 Minuten erreicht. An der Autobahn stadteinwärts fallen an vielen Ausfahrten große Werbeschilder auf, die für den Verkauf von Tickets für die Fähren nach Tanger und Ceuta an kleinen Kiosk-Buden werben. Der erfahrene Tourist wittert hier natürlich auf den ersten Blick ein Abzocke-Geschäft mit hohen Provisionen und ggf. am Ende sogar ungültigen Tickets. Daher sind zumindest an diesem Tag an den Buden auch keine Kunden vorzufinden. Im Stadtgebiet von Algeciras weist die Autobahn eine weitere Besonderheit auf, da die A 7 dort stellenweise als ebenerdige Stadtstraße verläuft und dabei zwei plangleiche Ampelkreuzungen passiert. Nach der zweiten Kreuzung verlässt der Bus die Autobahn und erreicht das Stadtzentrum von Algeciras. Dort haben wir einen längeren Aufenthalt bis zur Weiterfahrt.




Auf dem Rückweg zum Busbahnhof kommen wir an einem großen überdachten Marktplatz vorbei, auf dem wir preiswert einige Früchte als Mittagsverpflegung erstehen können. Um 13:00 wird die Reise dann am Busbahnhof mit einem Bus in Richtung Facinas / Tahivilla fortgesetzt, den wir bis nach Tarifa nutzen werden.



Nach einer halben Stunde erreichen wir Tarifa. Der Bus hält dort leider nicht im Stadtzentrum, sondern lediglich am Centro de Salud, einem Ärztehaus am Stadteingang, und später am Busbahnhof nahe am Stadtausgang. Zwischen beiden Haltestellen fährt der Bus ohne Halt an den zentralen Zugängen zur Altstadt vorbei. Wir steigen daher an der ersten Haltestelle aus, die sich noch ca. 50 Meter über dem Meeresspiegel befindet, sodass wir gemütlich bis auf Meereshöhe absteigen können. Tarifa weist bis heute eine maurisch geprägte Architektur auf. Die Altstadt besteht aus engen Gassen und weißen Gebäuden.



Tarifa ist die südlichste Stadt des europäischen Festlandes. Die Straße von Gibraltar hat an ihrer engsten Stelle hier eine Breite von nur rund 15 Kilometern. An der Punta de Tarifa, einem Kap an der Südspitze der vorgelagerten Isla de Tarifa, treffen der Atlantischen Ozean und das Mittelmeer aufeinander. Eine mögliche Definition für das „Ende der Welt“ liegt uns damit bereits vor, denn die Ausfahrt aus der Straße von Gibraltar auf den Atlantischen Ozean hinaus (die aufgrund starker Strömungen von Schiffen nur schwer zu bewältigen ist) galt in der Antike zugleich als Ausfahrt aus der bekannten Welt in das Ungewisse, die mit dem Fall vom Rand der Erdscheibe enden würde. Allerdings ist dies nicht die Definition, auf die der Titel des Reiseberichtes anspielt. Dazu kommen wir erst zwei Tage später.

Im Hintergrund ist die Isla de Tarifa zu sehen. Deren Südspitze, die Punta de Tarifa, befindet sich auf Höhe des Leuchtturms.



Die Isla de Tarifa, offiziell Isla de Las Palomas, wurde lange als Militärstützpunkt genutzt. 1988 wurde die dortige Kaserne geschlossen und die Insel wurde der Öffentlichkeit zurück gegeben. Trotzdem ist sie heute als Bestandteil eines Naturparks nicht frei zugänglich, sondern nur im Rahmen geführter Touren. Da an diesem Tag keine Tour angeboten wird, kehren wir vor dem Tor um.



Tarifa ist daher insbesondere bei Kite- und Windsurfern ein beliebtes Urlaubsziel.


(Während die meisten Busbahnhöfe in Spanien auch als „Estación de autobuses“ so benannt sind, reicht es in Tarifa nur für einen als „Apeadero“ genannten Haltepunkt.
Die Unterscheidung in Bahnhöfe und Haltepunkte findet sich so übrigens auch bei der spanischen Eisenbahn wieder.)
Mit einem ALSA-Fernbus aus Algeciras, der über Nacht das gesamte Land von Süd nach Nord durchqueren und erst am nächsten Morgen in A Coruña ankommen wird, fahren wir eine Station bis zum nächsten Halt in San Fernando. Dort besteht dann wieder Anschluss an das Schienennetz.




Während der Bus noch über 1.000 Kilometer bis zu seinem Ziel vor sich hat, erreichen wir bereits nach nur 100 Metern Fußweg die Haltestelle Venta de Vargas der Trambahía.

Die Trambahía ist eine in iberischer Breitspur ausgeführte Tram-Train-Strecke, die Cádiz mit den Vororten San Fernando und Chiclana de la Frontera verbindet. Sie wurde 2022 nach erheblichen Verzögerungen in der Bauphase als erste Tram-Train-Strecke in Spanien eröffnet. Die Trambahía wird durch die RENFE mit Zweisystem-Triebwagen der Baureihe 801 bedient. Anders als der als „Karlsruher Modell“ bekannte Ansatz zur Integration einer Straßenbahn in der Innenstadt mit der Eisenbahn außerhalb, verhält es sich in der Bahía de Cádiz umgekehrt. Die Stadtbahn wird vom Kopfbahnhof Cádiz aus bis zum Bahnhof Río Arillo auf der Ausbaustrecke der RENFE als Eisenbahn geführt und fährt dann in den Vororten als Straßenbahn durch die Stadt. In etwa jede zweite Bahn beginnt und endet dabei am Umsteigebahnhof Río Arillo, an dem Anschluss an die Cercanías von / nach Cádiz besteht. Obwohl damit auf dem Straßenbahn-Abschnitt zwei Fahrten pro Stunde angeboten werden, verteilen sich die Fahrten zeitlich leider sehr ungleichmäßig.

Den Zug um 16:31 ab Venta de Vargas aus Bild 7-28 haben wir knapp verpasst. Der nächste fährt allerdings bereits 9 Minuten später um 16:40.
Danach kommt erst wieder um 17:21 eine Bahn.




Während der Fahrt fallen die großzügigen Fahrzeitvorgaben der Trambahía auf. Die Strecke von der Haltestelle Alameda Solano zur Haltestelle Nuestra Señora de Los Remedios misst z. B. nur rund 600 Meter. Dennoch sind für diesen Abschnitt 4 Minuten Fahrzeit verplant. Trotz der bereits sehr defensiven Fahrweise der Wagenführerin müssen wir daher an den meisten Haltestellen Zeit abstehen. Da wir in Cádiz später noch unseren Media Distancia nach Sevilla erreichen möchten, fahren wir nicht weiter bis zur Endhaltestelle Pelagatos. Statt dessen warten wir an der Haltestelle Nuestra Señora de Los Remedios auf den nächsten Gegenzug, der uns zum Umsteigebahnhof Río Arillo befördert.




Am benachbarten Bahnsteig wartet bereits der Anschlusszug nach Sevilla.

Für den Umstieg auf den MD müssen wir in Cadiz zunächst durch die Bahnsteigsperre für den Check-Out aus dem Cercanías- / Trambahía-System. An den Straßenbahn-Haltestellen erfolgt der Check-in / Check-out durch Fahrschein-Lesegeräte auf den Bahnsteigen. Die Fahrkarten werden während der Fahrt in der Stadtbahn durch das Zugpersonal kontrolliert. Im Gegensatz dazu ist der Bahnsteig für den Media Distancia frei zugänglich.


Die Fahrkarte für den Media Distancia nach Sevilla hatte ich rund 4 Wochen vor der Fahrt gebucht und dabei einen der letzten freien Sitzplätze bekommen. Der Zug war an diesem Freitagabend dem entsprechend zumindest auf der Teilstrecke von Jerez de la Frontera nach Sevilla ausgebucht und bis auf den letzten Platz besetzt. Zur Fahrkartenkontrolle geht der Zugbegleiter mit einer Wagenskizze durch den Zug und gleicht jeweils die Zielorte der Reisenden – zumeist Sevilla – mit seinem Ausdruck ab. Im Gegensatz zu den Fernbussen, in denen sich niemand für Platzreservierungen interessiert, halten Bahnreisende die zugewiesenen Plätze in den Zügen meist ein.

Obwohl die Bahnhöfe der benachbarten Städte Cádiz und El Puerto de Santa Maria nur 10 km Luftlinie auseinander liegen, muss der Zug wegen der umwegigen Streckenführung um die Bucht herum dafür 34 km zurück legen.

Sevilla wurde als Übernachtungsort ausgewählt, da sich die Stadt am nächsten Tag als idealer Ausgangspunkt für die Weiterreise nach Portugal erweisen wird. Bis dahin nächtigen wir aber letztmals für diese Reise in Spanien.