Nach 5 erlebnisreichen Tagen wird die Frühjahresreise an die Kroatische Adria und wieder zurück nun zu Ende gehen. Für die Heimfahrt geplant ist eine Verbindung über Lugano, Zürich, Basel und (trotz Streik) auch Strasbourg. Im Streikfahrplan, der am Vorabend veröffentlicht wurde, konnte eine passable Umsteigeverbindung von Basel über Strasbourg nach Wissembourg ermittelt werden. Die Ankunft in Landau wäre damit um 19:01 vorgesehen. Allerdings wird sich relativ bald zeigen, dass diese Verbindung so nicht umsetzbar ist. Noch starten wir aber guter Dinge an unserem Hotel in den nördlichen Vororten von Milano.

Nachdem gestern Abend die Metro für die Fahrt zum Hotel genutzt wurde, fahren wir heute früh mit dem Bus zurück zum Bahnhof, denn auf der Straße sehen wir bei Tageslicht auch ein wenig von der Umgebung. Wir kommen gut durch den morgendlichen Berufsverkehr und erreichen den Bahnhof gegen 8:00.


Von Milano aus verkehren über die Gotthard-Achse direkte Eurocity-Züge nach Zürich und Basel, die in Kombination mit Interrail auf dem italienischen Abschnitt allerdings reservierungspflichtig sind. Die Zusatzkosten dafür lassen sich aber einfach umgehen, indem wir mit einem früheren Regionalzug der Linie R 80 bis zum ersten Bahnhof in der Schweiz in Chiasso vorfahren. Da ein Umstieg auch im weiteren Fahrtverlauf in Lugano möglich ist, entscheiden wir uns, mit der Linie R 80 bis dorthin durch zu fahren und dort einen kleinen Aufenthalt in die Reise zu integrieren.
Wie in Frankreich und Italien üblich erfolgt die Mitteilung des Abfahrtsgleis erst rund 10 Minuten vor der Abfahrt an den großen Anzeigetafeln, sodass sich dann in kurzer Zeit einige hundert Reisende hektisch auf den Weg in die westliche Bahnhofshalle machen. Dort erreicht die Vorleistung gerade in diesem Moment erst den Bahnhof und entlässt ebenso viele Fahrgäste auf den Bahnsteig. Daraus ergibt sich ein heilloses Durcheinander der aus- und einsteigenden Fahrgäste, welches den Fahrgastwechsel stark verzögert. Dennoch entspannt sich die Situation bis zur Abfahrt und wir können Milano einigermaßen pünktlich verlassen.










Der Fahrkartenautomat nimmt auch Kreditkarten an, sodass keine Schweizer Franken für die Mitfahrt benötigt werden.

Um 11:02 hätten wir nun den IC nach Zürich nehmen wollen. Allerdings…

Nun, Ausfälle kommen vor. In Anbetracht des dichten Angebots in der Schweiz ist das normalerweise kein Problem, denn der nächste Zug lässt nicht lange auf sich warten. Zunächst will sich mir jedoch keine Ursache für den Ausfall erschließen, denn bei Personal- oder Fahrzeugmangel wäre der Ausfall bei der Ankunft eine Stunde früher bereits bekannt gewesen. Die Situation deutete eher auf eine Infrastrukturstörung hin. Nach einem Besuch im Reisezentrum sollte sich diese Vermutung dann bestätigen: Im Bereich Altdorf besteht eine Oberleitungsstörung. Der Streckenabschnitt zwischen Erstfeld und Flüelen ist daher ebenso wie der Gotthard-Basistunnel nicht befahrbar. Damit ist die gesamte Gotthard-Achse derzeit voll gesperrt. Fahrgäste in Lugano werden zu diesem Zeitpunkt auf den nächsten EC nach Basel verwiesen in der Hoffnung auf eine baldige Störungsbeseitigung. 20 Minuten vor der Abfahrt ändern die Anzeiger am Bahnsteig dann das Ziel des Zuges von Basel zu Erstfeld. Darüber wird uns später das Zugpersonal aufklären.



Im Zug wird uns dann erklärt, dass dieser zunächst regulär bis Bellinzona fährt. Anschließend werden wir über die Gotthard-Bergstrecke umgeleitet und fahren bis nach Erstfeld mit Ankunft gegen 13:46. Bis dahin hoffe man auf die Behebung der Störung, sodass unser Zug die Fahrt mit Verspätung fortsetzen könne.

Kurz nach der Abfahrt in Bellinzona kommt der Zugbegleiter vorbei und geht auf die individuellen Reisewege der Fahrgäste ein. Ich teile mit, dass wir heute noch bis nach Karlsruhe wollen. Der Zugbegleiter verweist noch einmal darauf, dass wir nun zunächst über die Bergstrecke nach Erstfeld fahren und hoffen, dass es dann dort schon wieder weiter geht. Während wir die Situation gelassen nehmen und uns (auch auf Anraten des Zugbegleiters) der schönen Aussicht erfreuen, steht eine wohlhabende Mitreisende in meinem Wagen ordentlich unter Stress, denn sie müsse um 17:00 eine teure Abendveranstaltung in Basel erreichen.



Wir müssen an manchen Stellen kurz anhalten und auf die Räumung des vorausliegenden Streckenblocks warten, kommen aber insgesamt gut voran und die Prognose für die Ankunftszeit erweist sich als recht genau, denn um 13:50 erreichen wir Erstfeld. Leider ist die Störung aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht behoben, sodass die Verkehrsleitung entscheidet, unseren Zug in Erstfeld verenden zu lassen.

Die Reisenden werden auf den IR 46 verwiesen, der um 14:34 nach Zürich fahren soll. Die vornehme Dame aus dem Eurocity ist darüber aufgrund der geringen Aufenthaltsqualität in Erstfeld nicht wirklich erfreut. Wir verlassen daher den Bahnsteig in Richtung Bahnhofsgebäude. Vor dem Bahnhof wartet ein Bus. Die Fahrerin erklärt, dass sie auf dem Busnotverkehr eingesetzt wird, der auf die andere Seite der Störung nach Flüelen fährt. Dort würden wir die S-Bahn nach Luzern erreichen und mit Umstieg in Arth-Goldau so eine Stunde eher in Zürich ankommen. Auf meine kritische Nachfrage, ob wir die bereits in 14 Minuten abfahrende S-Bahn noch erreichen würde, antwortet sie gelassen, das wir das noch schaffen werden. Der Bus füllt sich dieser Aussage entsprechend schnell und kann nicht alle Fahrgäste aus dem EC mitnehmen. Als keine Fahrgäste mehr in den Bus hinein passen, fahren wir los in Richtung Flüelen. Besonders schnell kommen wir allerdings nicht voran, denn in der Ortsdurchfahrt von Erstfeld fahren wir einem Postauto hinterher und nach der tatsächlich zügigen Fahrt über die Autobahn an Altdorf vorbei erwartet uns noch ein vorausfahrender Traktor auf der Straße zum Bahnhof in Flüelen. Dort angekommen schließen sich die Türen der am Hausbahnsteig wartenden S-Bahn genau in dem Moment, in dem die Busfahrerin vor dem Bahnhof die Türen öffnet. Die Verärgerung der Fahrgäste bekommt die anwesende Fahrgastlenkerin der SBB leider direkt zu spüren. Nachdem sich die Reisenden etwas beruhigt haben, erklärt sie die Situation: Die Störung war um 14:00 beendet, als wir gerade mit dem Bus auf der Autobahn unterwegs waren. Der Mitarbeiterin in Flüelen hat man aber nicht mitgeteilt, dass noch ein Bus aus Erstfeld kommt. Hätte sie das gewusst, dann hätte sie die S-Bahn noch kurz zurückgehalten. So bleibt nun das Warten auf den IR 46, den wir auch in Erstfeld bereits erreicht hätten.






Unterwegs ergründe ich am Smartphone die weiteren Reisemöglichkeiten in Richtung Basel. Wir könnten bis Zürich im Zug bleiben und dort auf einen der vielen Züge nach Basel wechseln. Um in Basel aber den nächstmöglichen ICE nach Deutschland zu erreichen, müssten wir in Zürich bei planmäßiger Ankunft um 15:55 den schnellen IC um 15:59 erreichen, sonst würden wir am Ende noch eine weitere Stunde später ankommen. Alternativ könnten wir in Arth-Goldau auf die S 3 nach Luzern umsteigen und dort versuchen, in nur einer Minute Umsteigezeit den IC 21 nach Basel zu erreichen. Der IC 21 wäre zwar normalerweise ein direkter Korrespondenz-Anschluss des IR 46 in Arth-Goldau, fährt aber wegen der Störung heute erst ab Luzern, sodass wir die Lücke mit der S 3 überbrücken müssten. Die wohlhabende Mitreisende hat sich inzwischen dazu entschlossen, die Reise abzubrechen und ins Tessin zurückzukehren. Sie wolle versuchen, sich die Kosten ihrer Eintrittskarte für die verpassten Veranstaltung in Basel von der SBB erstatten zu lassen. Wir bleiben indes im IR 46 und hoffen auf den kurzen Anschluss in Zürich. In Arth-Goldau wird unser Zug verstärkt, sodass wir in die vordere Garnitur umsteigen, um unsere Chancen in Zürich zu verbessern.



Leider wird der Anschluss am Ende sehr knapp, da das Ablösegespräch in Arth-Goldau sich etwas verzögert und wir dort mit 2 Minuten Verzögerung abfahren. Daher erreichten wir den Bahnsteig in Zürich erst um 15:58. Durch einen rekordverdächtigen Sprint über den Züricher Querbahnsteig schaffen wir es allerdings noch in die letzte Tür des IC nach Basel, der gerade durch den Zugbegleiter abfertigt wird. Direkt nach unserem Einstieg erteilt der Zugbegleiter dem Tf das Abfahrtsauftrag und die Tür fällt zu. Ich bedanke mich daraufhin freundlich beim Zugbegleiter, dass er die 5 Sekunden noch kurz auf uns gewartet hat, wodurch wir eine Stunde Reisezeit einsparen können.

Basel haben wir trotz unserer minimalen Verzögerung bei der Abfertigung 2 Minuten vor Plan erreicht.




An Gleis 8 fährt kurz darauf ein ICE 4 ein, der uns nach Karlsruhe mitnimmt. Eigentlich wollten wir durch den Umweg über Strasbourg die Fahrt im ICE 4 vermeiden, aber im Rahmen der Umstände sind wir ganz froh, jetzt in einem direkten Zug bis fast zurück in die Heimat zu sitzen. Während der Fahrt genehmigen wir uns nach langer Abstinenz ob der Schweizer Preise ein Schinken-Käse-Baguette aus dem Speisewagen. In Rastatt werden wir über die Ettlinger Strecke geleitet und reihen uns kurz vor Karlsruhe in einen Rückstau hinter einem verspäteten TGV, einer RB 44 und einem RE 2 ein. So geht es in der Zufahrt auf Karlsruhe nur Block für Block voran und wir erreichen Karlsruhe erst um 19:02 mit 13 Minuten Verspätung, nachdem wir in Rastatt noch pünktlich durchgefahren sind. Daher beeilen wir uns mit dem Umstieg, da wir noch zum „Pfälzer Bahnhof“ wechseln müssen.


Schließlich bringt uns das Desiro-Doppel auf dem RE 6 über den Rhein und wir erreichen den Landauer Hauptbahnhof pünktlich um 19:36. Wir fahren noch einige Kilometer zu unserem Heimatort mit einem Regionalbus und kommen gegen 20:00 nach 6 eindrucksvollen Reisetagen wieder zu Hause an.