Der vorletzte Reisetag startet freundlich und das schöne Wetter wird auch bis zum Ende des Tages anhalten. Hauptreiseziel des Tages ist heute die Lagunenstadt Venezia, welche zwar von Massen an Touristen überrant wird, wir indirekt aber genau deshalb im Rahmen dieser Reise besuchen werden. Die genauen Hintergründe werden später noch ausführlicher erläutert. Zunächst beginnt der Tag noch in der slowenischen Hafenstadt Koper, in der wir für die Nacht Quartier bezogen hatten.



Der Bahnhof von Koper liegt etwas abseits der Stadt in einem kleinen Zweckgebäude, das wir am Vortag bei der Ankunft bereits gesehen haben. Im Vergleich mit dem Güterverkehr spielt der Personenverkehr hier nur eine untergeordnete Rolle. Koper ist der seeseitige Endpunkt der Koper-Rampe, einer eingleisigen Steigungsstrecke nach Divaca, die den Hafen an das slowenische Hinterland anbindet. Die Strecke wird im Güterverkehr stark frequentiert. Für Reisezüge bleiben daher nur wenige freie Trassen, sodass trotz nutzbarer Infrastruktur SEV-Fahrten auf diesen Strecken zur Erhöhung der Kapazität für Güterzuge angeboten werden. An einer dieser Fahrten hatten wir am Vortag zwischen Buzet und Divaca teil genommen. Aktuell wird auf der Koper-Rampe ein zweites Gleis mit direkterer Streckenführung gebaut. Es soll eine geringere Längsneigung aufweisen und für 160 km/h trassiert werden, dafür aber größtenteils in Tunneln verlaufen. Zukünftig sollen die bergwärts fahrenden Züge dann über die neue Tunnelstrecke mit der geringeren Steigung und die talwärts fahrenden Züge über die ältere Bestandsstrecke fahren. Damit könnten dann auch wieder mehr Trassen für den Reiseverkehr frei werden.



Passend zum spärlichen Bahnverkehr beginnt auch unsere erste Fahrt heute nicht am Bahnhof, sondern gegenüber am benachbarten Busbahnhof. Zunächst fahren wir mit dem Bus an die italienischen Grenze.




Den verlassenen Grenzübergang queren wir zu Fuß, da die slowenischen Busse südlich der Grenze an der Haltestelle Lazaret meja enden und die italienischen Busse erst ihrerseits der Grenze an der Endstelle Lazzaretto beginnen. Während der slowenische Fahrplan „nachfrageorientiert“ gehalten ist, verkehren die Busse der Linie 7 zwischen Lazzaretto und der nächstgrößeren Stadt Muggia im 40-Minuten-Takt. Wir nutzen den aus der Vorleistung leicht verspäteten Takt um 9:55. Beim Einstieg halte ich selbstverständlich etwas Bargeld zum Lösen der Fahrkarte bereit. Der Fahrer öffnet allerdings nur hinten und außer eines Geräts zum Scannen von Chipkarten ist keine Verkaufseinrichtung für Fahrkarten im Bus vorhanden ist. Noch bevor ich nach vorne durchgehen kann, um nach einer Fahrkarte zu fragen, schließt der Fahrer die Türen und fährt ab. So freuen wir uns erneut über eine (ungeplant) kostenfreie Fahrt, für die wir selbstverständlich zu bezahlen gewillt waren.




Von Muggia aus gäbe es nun ebenfalls regelmäßigen Busverkehr nach Trieste. Wir entscheiden uns allerdings für ein wassergebundenes Verkehrsmittel.

Zwischen Muggia und Trieste verkehren Linienschiffe alle 70 Minuten (mit Ausnahme einer Mittagsruhe von 12:30 bis 14:00) bei einer Fahrzeit von ca. 30 Minuten. Die nächste Abfahrt um 10:45 passt genau in unseren Reiseplan. Leider ist die Anlegestelle schwierig zu finden, denn dafür muss man wissen, dass die Fähre unter der Marke „Delfino Verde“ vertrieben wird. Davon habe ich aber erst durch Nachfrage bei einem freundlichen Hafenmitarbeiter Kenntnis genommen. Die Abfahrt findet jedenfalls genau an der Stelle statt, die als Fährstelle „Muggia Molo Esterno“ bei Google Maps eingetragen ist, auch wenn es vor Ort keine große Infrastruktur gibt. Die Fahrt mit der Fähre ist bei sonnigem Wetter in ruhigem Wasser wunderschön.



Erstaunlicherweise sind wir stadteinwärts am Vormittag entgegen der Lastrichtung unterwegs. Unsere Fahrt ist nur mit ca. 10 Fahrgästen besetzt. Ausgestiegen sind in Muggia dafür zwei ganze Reisegruppen und in Trieste steht schon die nächste Gruppe für die Folgefahrt bereit.
Bis zur Weiterfahrt (dann wieder auf der Schiene) verbringen wir noch etwas Zeit in Trieste.




Am Bahnhof Trieste Centrale setzen wir unsere Reise mit der italienischen Staatsbahn fort.





Das Flussbett besteht aus Geröll, welches der Fluss aus dem Gebirge dorthin schwemmt. Bei Hochwasser bildet sich im Flussbett ein durchgehender Strom, der abhängig von der Wassermenge und der Verteilung des Schotters immer an anderen Stellen kleine Inseln bildet. In langen trockenen Phasen liegt der Fluss zeitweise (so wie hier) trocken.
Der Regionale Veloce startet pünktlich in Trieste und hält sich bis zum Zwischenhalt in Latisana im Fahrplan. Dort wird uns bei pünktlicher Einfahrt am Bahnsteiganzeiger eine Abfahrtsverspätung von 15 Minuten vorhergesagt. Da allerdings keine Störungen, die für die Verspätung ursächlich sein könnten, gemeldet sind, geht die Fahrt bereits 5 Minuten später weiter.

Auf dem nachfolgenden Streckenabschnitt müssen wir an einigen Bahnübergängen sehr langsam fahren bzw. zur Sicherung anhalten. Trotzdem kommen wir gut voran. In Portograuro steigen sehr viele Schüler zur Schulendzeit zu, die sich auf die nachfolgenden drei Halte verteilen. Dennoch haben wir bis zum Festlandbahnhof Venezia Mestre unsere Verspätung dank der vergleichsweise großzügig bemessenen Fahrzeiten im italienischen Regionalverkehr wieder aufgeholt. Eine Minute vor Plan erreichen wir schließlich die Lagunenstadt.


An dieser Stelle folgen nun einige Impressionen aus Venezia, auch wenn viele der Motive als „allgemein bekannt“ gelten dürften.










Nach zwei Stunden schließen wir unsere Besichtigung der überlaufenen Stadt bereits ab. Venezia haben wir trotz des Massentourismus besucht, da die Stadt ohnehin auf der Reiseroute liegt und in naher Zukunft Eintrittsgelder für das Betreten der Altstadt anfallen würden. Die entsprechende Touristen-Gebühr war zum Zeitpunkt der Reisevorbereitung bereits geplant, aber noch nicht in Kraft getreten ist. So nutzen wir die Gelegenheit, um die gesamte Altstadt gebührenfrei erkunden zu dürfen. Nach dem durchaus lohnenswerten Aufenthalt in der Lagunenstadt warten wir in der Bahnhofshalle von Venezia Santa Lucia nun auf die Verkündung des Abfahrtsgleises unseres EuroCity nach Geneve, den wir für den halben Weg bis zum Tagesziel Milano nutzen werden. Beim Blick auf die Anzeigetafel fällt auf, dass aus der kleinen BÜ-Störung auf der Hinfahrt inzwischen eine große Signal- und Oberleitungsstörung geworden ist, die den gesamten Verkehr in Richtung Udine und Trieste betrifft. Der Zugverkehr in diese Richtung ist demnach eingestellt und Trenitalia ist um die Einrichtung eines BNV bemüht ist. Unsere Fahrt Richtung Milano kann davon unberührt aber pünktlich starten.






5-47 Und schließlich zieht auch der EuroCity davon, während am Bahnsteig gegenüber ein Frecciarossa ETR 700 einfährt


In Bild 5-41 fällt auf, dass trotz der Störung in Richtung Udine der Railjet nach Wien planmäßig in Santa Lucia abgefahren ist. Der Zug ist allerdings nicht weit gekommen, denn in Mestre stehen wir ihm gegenüber. Die Reisenden warten draußen auf dem Bahnsteig auf neue Informationen, während wir den Bahnhof in westlicher Richtung verlassen.

Unser Eurocity fährt pünktlich bis Verona und wird anschließend im dichten Verkehr etwas ausgebremst, sodass wir bis Peschiera del Garda einige Minuten Verspätung durch Zugfolge ansammeln. In Peschiera verlassen wir den Zug.


Da die Sonne erst in wenigen Stunden unter geht, legen wir am Abend noch einen Aufenthalt in Peschiera del Garda ein, um uns u. a. über einen Ausblick auf den Gardasee und über eine kleine Zwischenmahlzeit zu erfreuen.

Im Hintergrund quert ein Frecciarossa 700 die Bahnbrücke über den Fluss.



Später nutzen wir ein Frecciarossa für die letzte Zugfahrt des Tages nach Milano.


In Milano bahnen wir uns den verwinkelten Weg zur U-Bahn und fahren damit bis zu unserem Hotel im Vorort Sesto San Giovanni. Wie bereits bei meiner Reise im vorherigen Jahr erweist sich der Umsteigeweg als lang und umständlich. 15 Minuten benötigen wir vom Ausstieg aus dem Zug bis zur Ankunft mit erworbener Fahrkarte am Bahnsteig der U-Bahn.





Nach einem Umstieg von der M2 zur M1 an der Haltestelle Loreto erreichen wir zügig unser Hotel und genehmigen uns zum Abschluss des Tages noch eine köstliche italienische Pizza.