Die zweite Halbzeit der Reise bricht an und damit beginnt unsere dreitägige Rückfahrt aus Rijeka in die Heimat. Dort sorgt an diesem Tag der lange angekündigte „Mega-Streiks“ von ver.di und EVG für Stillstand im Zugverkehr und bei den meisten öffentlichen Verkehrsbetrieben im Land. Die Auswirkungen bekommen wir in Kroatien aber nicht zu spüren, sodass die neue Woche für uns entspannt mit dem gewohnten trüben Wetter der vorherigen Tage beginnt.

Gemessen an der zurückgelegten Strecke ist der heutige Reiseabschnitt recht kurz, denn gerade einmal 60 Luftlinien-Kilometer liegen zwischen dem Start- und Endpunkt des heutigen Reisetages. Trotzdem wird, u. a. wegen eines Umwegs über die Halbinsel Istrien, aus der kurzen Strecke eine Tagesreise. Bis auf eine Fahrt mit der Bahn werden wir dabei ausschließlich auf der Straße unterwegs sein. Der Tag beginnt aber zunächst mit einem Aufstieg auf die Anhöhe von Trsat.








Nach dem Ausflug beginnt die Weiterreise. Dabei reisen wir nun (typisch kroatisch) mit dem Reisebus. Zu gemütlicher Uhrzeit um 10:15 erwartet uns ein Fernbus der DB-Auslandstochter Arriva.



Unser Bus kommt einige Minuten vor Plan aus Zagreb an und fährt pünktlich in Richtung Pula auf der Halbinsel Istrien weiter. Auch in diesem Bus erfolgt eine kurze Fahrkartenkontrolle vor der Abfahrt. Die Fahrt geht allerdings nur langsam voran. Wir folgen über zunächst über 45 Kilometer einer engen Küstenstraße mit vielen Ortsdurchfahrten und Kurven. Unterwegs halten wir zudem in einigen Ferienorten. Deshalb brauchen wir für die nur 45 Kilometer lange Strecke über eine Stunde.


Nahe der Ortsgemeinde Plomin wendet sich die Straße dann landeinwärts. Im Anschluss wird die Trassierung besser und die durchschnittliche Geschwindigkeit damit höher.




Pula ist die südlichste Stadt Istriens und gleichzeitig Endpunkt der Istrianerbahn. Von hier aus fahren Nahverkehrszüge in nördlicher Richtung durch das Hinterland der Halbinsel. Wir werden später einen dieser Züge benutzen. Vorher erkunden wir in der Wartezeit die Stadt Pula.






Nach der zweistündigen Runde durch die Stadt erreichen wir den im Vergleich zum Busbahnhof etwas abgelegen Bahnhof, der allerdings trotz der geringen Fahrtendichte der Eisenbahn mit einem Fahrkartenschalter und einer Bahnhofstoilette ausgestattet ist. Letztere wird an diesem Tag gerade frisch gereinigt und mir von der Reinigungskraft freundlicherweise geöffnet, sodass ich glücklicherweise nicht auf den „Komfort“ der sanitären Anlagen aus Bild 4-19 zurück greifen muss.

Erwartet hätte ich als Fahrzeug für unseren Zug nach Buzet einen der alten, abgenutzten und mit Graffiti beschmutzten Triebwagen der Baureihe 7122. Tatsächlich aber staune ich nicht schlecht, als ich auf der Gleisseite unser Fahrzeug vorfinde.

Der dreiteilige Triebwagen ist zeitgemäß ausgestattet mit barrierefreiem WC, W-LAN, Klimaanlage und Steckdosen. Die bereitgestellte Beförderungskapazität wird auf dieser Leistung auch benötigt, denn je näher die Abfahrtszeit heran rückt, umso mehr Schüler erreichen den Bahnhof zur Heimfahrt mit dem Zug. Bei Abfahrt ist der Zug zu ca. 75 % besetzt. Im Laufe der Fahrt leert sich der Zug nur allmählich; nicht wenige der mitreisenden Schüler verweilen eine Stunde und länger im Zug. Mein Gegenüber im Vierer verlässt den Zug z. B. um 15:39 am Haltepunkt Heki Tovariste, nachdem seine Schulglocke bereits gegen 14:15 den Feierabend eingeläutet hatte.

Dabei handelt es sich aber nicht um P+R-Pendler, sondern um Elterntaxis, welche die Kinder vom Zug abholen.
Pünktlich und abschnittsweise mit bis 80 km/h auch recht zügig fahren wir durch das Hinterland Istriens. Am Kreuzungshalt in Pazin müssen wir jedoch länger warten, denn eigentlich soll uns hier um 15:50 der Gegenzug nach Pula kreuzen. Der Zug kommt aber nicht, sodass wir uns bei nur 14 Minuten Umsteigezeit in Buzet auf die einzigen Reisemöglichkeit weiter nach Divaca in Slowenien am Tag ein wenig Sorgen um unseren Anschluss machen müssen. Nach 20 Minuten kommt dann schließlich der Gegenzug und wir setzen unsere Fahrt fort.

Mit 20 Minuten Verspätung setzten wir unsere Fahrt fort. Bis Lupoglav kann die Verspätung dank eines kleinen Fahrzeitpuffers um wenige Minuten reduziert werden. Dort wartet der Busanschluss nach Rijeka auf die Umsteiger, obwohl dieser eigentlich schon vor 5 Minuten abgefahren wäre. Die großzügig kalkulierte Haltezeit von 11 Minuten in Lupoglav wird ebenfalls nicht ausgeschöpft, sodass wir direkt mit nur noch 7 Minuten Verspätung weiter fahren. Diese Verspätung können wir dann bis zur Endstation Buzet auch halten.



Der Anschluss wird damit sicher erreicht. Nun beginnt die bisher wohl abenteuerlichste „Bahnfahrt“, an der ich jemals teilgenommen habe, denn als SEV nach Divaca kommt ein Taxi in Form eines schwarzen Renault Trafic vorgefahren. Besetzt ist das Auto lediglich mit einem Fahrer, einer Zugbegleiterin der SZ und einem älteren Ehepaar, welches den Anschluss zum Zug in die Gegenrichtung nutzt. Eingestiegen ist wiederum neben uns nur ein weiterer Fahrgast, der sich vor der Fahrt noch recht cool gibt. Lässig lässt er sich ins Taxi fallen, nachdem er während der Umsteigezeit einen Blumentopf vor dem Bahnhofsgebäude gewässert hatte, obwohl unser Zug über eine saubere und funktionierende Toilette verfügte. Das Anschnallen mit dem Sicherheitsgurt sieht er vorerst auch nicht ein. Dann beginnt die Fahrt, die sich schnell als rasante Tour durch die kurvige slowenisch-kroatische Hügellandschaft erweist. Den Grenzposten passieren wir, kaum spürbar, auf einem einsamen Feldweg mitten in den Bergen. Nach einer halben Stunde wilder Fahrt mit vielen geschnittenen Kurven, Vollgas-Beschleunigungen und starken Bremsverzögerungen erreichen wir endlich eine größere Hauptstraße, auf der unser Fahrer noch einmal beweisen kann, wie mit zu langsam vorausfahrenden Verkehrsteilnehmern richtig umzugehen ist: Überholen mit über 100 in der 80er-Zone! Der Mitfahrer indes, der sich anfangs noch äußerst cool zeigte, hatte schon nach 2 Minuten den Gurt angelegt und gespannt, sich anschließend durchgehend an seinem Dachgriff festgehalten und des Öfteren leicht gezittert. Ich dagegen lasse ruhig die starke Querbeschleunigung auf mich und meinen Gurt wirken. Trotz der äußerst sportlichen Fahrweise können wir die planmäßige Fahrzeit bis zum Zwischenhalt Hrpelje-Kozina genau einhalten.
Von hier aus wäre es nur noch eine Autobahnausfahrt bis nach Divaca; unser Fahrer entscheidet sich jedoch für die Landstraße. Zunächst fährt er für seine Verhältnisse sehr entspannt, bis er unvermittelt an einer unscheinbaren Einmündung stark bremsen muss. Dort verweist ein Umleitungspfeil auf eine kleine Nebenstraße über die Ortschaft Rodik, obwohl die direkte Straße nach Divaca hinter dem Schild frei zu sein scheint. Der Fahrer folgt jedoch der Umleitung und wechselt wieder in den bekannten rasanten Fahrstil. Unterwegs kommt uns in der Ortsdurchfahrt das „Gegen-Taxi“ nach Koper entgegen. Am Ende erreichen wir Divaca trotzdem pünktlich um 18:00.




Der Grund für den SEV für einzelne Personenzüge auf der Strecke von Divaca nach Buzet und Koper ist die Freihaltung von Trassenkapazitäten für den Güterverkehr über die Koper-Rampe, welche den Hafen von Koper an das slowenische Hinterland anbindet. Von Divaca aus ist es dem entsprechend nicht mehr weit bis zu nach Koper, unserem Tagesziel, an der vergleichsweise kurzen slowenischen Mittelmeerküste. Dorthin bestehen zwei Reisemöglichkeiten: Entweder wir warten auf den nächsten Zug um 19:41, oder wir nehmen um 18:36 einen Regionalbus von Arriva. Wir entscheiden uns wegen der geringen Aufenthaltsqualität am Bahnhof Divaca für den Bus, denn selbst das örtliche Wirtshaus hat am Montag Ruhetag.

An der eingezeichneten Haltestelle warten wir auf den Bus, der zunächst zur planmäßigen Abfahrtszeit nicht kommt. Aufgrund der langen Wegstrecke von Ljubljana nach Divaca im Berufsverkehr wäre es aber auch verwunderlich, wenn der Bus exakt pünktlich hier ankommen würde. Nach 7 Minuten fährt dann ein Arriva-Bus heran und an der Haltestelle vorbei. Wir laufen dem Bus winkend hinterher und erhalten glücklicherweise von zwei hilfsbereiten Gästen der Bahnhofskneipe Unterstützung, die uns darauf verweisen, dass der Bus direkt vor dem Bahnhofsgebäude hält. Der Bus wendet hinter der Kneipe und kommt vor dem Bahnhof zum Halten, wo uns die freundliche Fahrerin gerne mitnimmt.

Der Bus fährt ebenfalls zunächst nach Hrpelje und nutzt dafür die Landstraße, die unser Taxi-Fahrer und auch der Fahrer des Taxis in Gegenrichtung vor einer Stunde umfahren haben. Anschließend passieren wir noch einige weitere Ortsdurchfahrten, bevor die letzten Kilometer im Zulauf auf Koper über die Autobahn direkt zum Busbahnhof führen. Obwohl die Fahrerin einen sehr angenehmen und entspannten Fahrstil aufweist, können wir die Verspätung bis Koper problemlos ausgleichen.




Schon wenige Minuten später neigt sich die Sonne dem Untergang zu und damit geht auch dieser aufregende Reisetag zu Ende.
