Der dritte Reisetag, ein Sonntag, beginnt ausgeruht um 7:30 in Klagenfurt. Das Ziel des Tages ist gegen Abend die Hafenstadt Rijeka in Kroatien, wo wir das Mittelmeer an der kroatischen Adria erreichen werden. Noch beginnt der Tag allerdings mit einer kleinen Runde durch die Stadt, ehe wir uns zum Bahnhof begeben.



Am Bahnhof angekommen bleibt bis zur Abfahrt noch Zeit für eine Besichtigung des Informationszentrums zur Koralmbahn. Die ÖBB widmen ihrem aktuell größten Infrastrukturprojekt einen eigenen Raum im Bahnhofsgebäude. Die Koralmbahn soll eine direkte Eisenbahnverbindung zwischen den Großräumen Graz und Klagenfurt herstellen. Kernstück des Projekts ist der rund 32 Kilometer lange Koralmtunnel, einer der längsten Eisenbahntunnel der Welt. Durch den Tunnel und die beidseitigen Zulaufstrecken soll die Fahrzeit zwischen Graz und Klagenfurt auf ca. 1 Stunde verkürzt werden. Derzeit gibt es auf der Schiene nur eine indirekte Umsteigeverbindung über Leoben mit rund 3 Stunden Fahrzeit. Schneller ist aktuell nur der IC-Bus, den wir am Vortag auf dieser Strecke genutzt hatten.


Wir beginnen unsere Reise mit einem Eurocity, den wir aber an der zweiten Station bereits wieder verlassen werden.



Da der Anschlusszug nach Ljubljana in Villach erst gegen 13:00 abfährt, bleibt am Morgen noch viel Zeit, sich dem Wörthersee zu widmen. Entschieden haben wir uns deshalb für einen Aufenthalt in Pörtschach. Später haben wir trotzdem noch eine sehr großzügige Umsteigezeit in Villach zur Verfügung. Nach dem Ausstieg in Pörtschach wandern wir ein wenig am Ufer entlang.



Deutlich anstrengender verläuft der anschließende Aufstieg zu einer Aussichtsplattform, der aber kurz darauf nicht nur mit einer guten Aussicht, sondern auch mit langsam aufklarendem Wetter belohnt wird.


Auf dem Rückweg zum Bahnhof kann sich die Sonne endgültig gegen die Wolken durchsetzen und wir warten derweil auf den nächsten Eurocity zur Weiterfahrt nach Villach.



Der Einsatz des ÖBB-Wagenmaterials erfolgt nicht unbegründet: In Villach werden dem Zug Kurswagen aus Zagreb beigestellt. In rund 13 Stunden ist damit die durchgehende Reise von der kroatischen Hauptstadt nach Frankfurt am Main möglich. Mit DB-Material wäre dieser Betriebsablauf schwieriger zu realisieren, da die Kurswagen dem Steuerwagen vorgespannt werden müssten oder, zwischen Lok und DB-Wagenpark eingereiht, die Ansteuerung des Steuerwagens von der Lok aus unmöglich machen würden. Daher wird auf diesem Zuglauf Wagenmaterial der ÖBB verwendet, das allerdings eine zweite Lok im Sandwich-Betrieb in Deutschland benötigt, um den Fahrtrichtungswechsel in München und Stuttgart schnell durchführen zu können..



Beim Verlassen des Bahnhofs zu einem kleinen Stadtrundgang sehen wir auf einem anderen Gleis bereits unseren Zug für die Weiterfahrt, der die Kurswagen nach Frankfurt hier her gebracht hat.

Das Wetter ist inzwischen sehr schön geworden, sodass wir den Rundgang durch Villach bei strahlender Sonne genießen können.






Am Villacher Hauptbahnhof begegnen wir dann erneut dem slowenisch-kroatischen Wagenpark, der den Zug nach Vinkovci bildet. So steht es zumindest im Fahrplan, auf den Anzeigern und auch am Zug angeschrieben. Ich wundere mich zwar noch über den fehlenden Speisewagen und die fehlenden Wagen der 1. Wagenklasse; dennoch steigen wir in einen der nur schwach ausgelasteten vorderen Wagen der HZPP ein und die Fahrt beginnt in Kürze.


Im Zug geht kurz nach der Abfahrt der ÖBB-Zugbegleiter durch. In jedem Abteil erklärt er den Fahrgästen, dass der Zug wegen Bauarbeiten heute in Jesenice endet. Von dort fährt ein SEV weiter nach Ljubljana, wo wiederum der planmäßige Zug nach Vinkovci über Zagreb erreicht würde. Nach einer halben Stunde steht somit ein außerplanmäßiger Wechsel von der Schiene auf die Straße an.

(Der Tf hatte zufälligerweise genau in dem Moment heraus geschaut, als ich den Auslöser betätigt habe).
Vor dem Bahnhof von Jesenice stehen 5 Busse in Reihe. Die ankommenden Fahrgäste stehen daher vor der Frage, welchen Bus sie besteigen sollen. Vor dem Bahnhof ordnet ein Mitarbeiter der SZ die Situation: Der vorderste Bus fährt direkt nach Ljubljana, der hinterste bedient die Zwischenhalte. Zu den anderen drei Bussen sagt er nichts. Allerdings reicht den wartenden Reisenden diese Info bereits aus, denn im ersten Bus sind noch viele Plätze frei und wir möchten direkt nach Ljubljana. Tatsächlich wird, der Fahrgastlenkung folgend, der vordere Bus noch sehr voll. Dadurch kann bestenfalls einer der mittleren Busse für eine Runde aussetzen. Nachdem unser Bus dann voll besetzt ist, schließt der Fahrer die Türen und ein SZ-Zugbegleiter kontrolliert zügig die Fahrkarten. Da es keine Beanstandungen gibt, nimmt der Bus 7 Minuten nach der planmäßigen Abfahrt des Zuges an Fahrt auf.

Durch den Entfall der Zwischenhalte können wir die planmäßige Fahrzeit des Zuges halten und erreichten Ljubljana mit nur 5 Minuten Verspätung gegenüber dem Zugfahrplan. Während Reisende nach Zagreb nun durch den Bahnhof zu ihrem Zug eilen, habe wir noch eine gemütliche Stunde bis zur Weiterfahrt, die wir zu einem kurzen Ausflug in die Altstadt nutzen.



Die Wege im Bahnhof von Ljubljana erweisen sich anschließend als sehr lang. Wir betreten den Bahnhof durch einen Zugang, der meiner Ansicht nach den Haupteingang darstellt. Dieser Eingang ist mit dem großen Schriftzug „Zelezniska Postaja“ gekennzeichnet und befindet sich in der Mitte des dreistöckigen Gebäudes hinter dem dunkelblauen Bus in Bild 3-34. Auf der Gleisseite müssen wir noch eine ganze Gleislänge entlang laufen, bevor wir den Zugang zur Unterführung erreichen. Währenddessen finden wir einige slowenische Züge im Bahnhof vor, die auf ihren nächsten Einsatz warten.





Für die letzte Zugfahrt des Tages nehmen wir im dritten Wagen, einem deklassierten Wagen der 1. Klasse, Platz. Darin sind zu Beginn noch drei Abteile mit einigen Fahrgästen besetzt. Das ändert sich während der Fahrt schnell, sodass wir bis zur kroatischen Grenze ganz alleine im Wagen sitzen. Die Fahrt verläuft zwar langsam, aber ohne Probleme. An vielen Stellen bremst der Tf möglicherweise wegen des Oberbau-Zustandes auf ca. 10 km/h ab, um nach einigen hundert Metern wieder zu beschleunigen. Trotzdem sammeln wir bis Ilirska Bistrica, dem letzten Halt in Slowenien, nur rund 10 Minuten Verspätung an. Dank der planmäßigen Haltezeit von 13 Minuten dort queren wir die Grenze zu Kroatien aber wieder pünktlich.

Gegenüber sehen wir hier bereits ein Viadukt, über das der Zug gleich fahren wird.



Von dem Grenzübertritt selbst merken die Fahrgäste, wie sonst üblich in der EU, nichts mehr. Es findet keine Grenzkontrolle mehr statt und auch der Zoll und die jeweilige Landespolizei interessieren sich nicht mehr für die internationalen Reisenden. Lediglich der Lokwechsel am kroatischen Grenzbahnhof Sapjane beweist die Überquerung einer Staatsgrenze.

Nach wenigen Minuten setzen wir unsere Fahrt auf dem letzten Teilstück nach Rijeka fort. Unterwegs sehen wir dann erstmals auf dieser Reise das Mittelmeer.

Rijeka erreichen wir pünktlich gegen 18:30. Damit ist der äußerste Punkt dieser Reise erreicht.



Vom Bahnhof zum Hotel möchten wir nun den Bus nehmen. Ein Blick auf den Fahrplan verrät, dass der nächste Bus in 5 Minuten kommen soll. Fahrpläne haben in Rijeka aber keinen großen Stellenwert, denn entgegen der Aushangfahrpläne kommen mehrere Linien zu mehr oder weniger zufälligen Zeitpunkten ohne erkennbare Zusammenhänge mit dem Fahrplan am Bahnhof vorbei. Wir besteigen daher einen Kleinbus, der kurz darauf am Bahnhof eintrifft und dessen Endpunkt direkt an unserem Hotel liegt. Der Fahrer hat jedoch kein Gerät zum Fahrscheinverkauf und einen lokalen Vertriebskanal (z. B. über einen Kiosk oder die Touristeninformation) gibt es am Sonntagabend am Bahnhof nicht. Daher winkt uns der Fahrer motivationslos durch und stört sich nicht weiter an unserer Anwesenheit im Bus.
Am Abend unternehmen wir noch einen kleinen Ausflug zu mehreren öffentlichen Strandabschnitten im Stadtgebiet, bevor die untergehende Sonne den Tag beendet.




