Tag 5 / 6

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Der vorletzte Reisetag startet freundlich und das schöne Wetter wird auch bis zum Ende des Tages anhalten. Hauptreiseziel des Tages ist heute die Lagunenstadt Venezia, welche zwar von Massen an Touristen überrant wird, wir indirekt aber genau deshalb im Rahmen dieser Reise besuchen werden. Die genauen Hintergründe werden später noch ausführlicher erläutert. Zunächst beginnt der Tag noch in der slowenischen Hafenstadt Koper, in der wir für die Nacht Quartier bezogen hatten.

Bild 5-1: Blauer Himmel und blaues Meer am frühen Morgen in Koper
Bilder 5-2 und 5-3: Altstadt von Koper

Der Bahnhof von Koper liegt etwas abseits der Stadt in einem kleinen Zweckgebäude, das wir am Vortag bei der Ankunft bereits gesehen haben. Im Vergleich mit dem Güterverkehr spielt der Personenverkehr hier nur eine untergeordnete Rolle. Koper ist der seeseitige Endpunkt der Koper-Rampe, einer eingleisigen Steigungsstrecke nach Divaca, die den Hafen an das slowenische Hinterland anbindet. Die Strecke wird im Güterverkehr stark frequentiert. Für Reisezüge bleiben daher nur wenige freie Trassen, sodass trotz nutzbarer Infrastruktur SEV-Fahrten auf diesen Strecken zur Erhöhung der Kapazität für Güterzuge angeboten werden. An einer dieser Fahrten hatten wir am Vortag zwischen Buzet und Divaca teil genommen. Aktuell wird auf der Koper-Rampe ein zweites Gleis mit direkterer Streckenführung gebaut. Es soll eine geringere Längsneigung aufweisen und für 160 km/h trassiert werden, dafür aber größtenteils in Tunneln verlaufen. Zukünftig sollen die bergwärts fahrenden Züge dann über die neue Tunnelstrecke mit der geringeren Steigung und die talwärts fahrenden Züge über die ältere Bestandsstrecke fahren. Damit könnten dann auch wieder mehr Trassen für den Reiseverkehr frei werden.

Bild 5-4: einfach gehaltene Bahnsteige am Bahnhof Koper
Bild 5-5: Das tägliche Verkehrsangebot ab Koper besteht aus 2 Zügen und 3 Bussen (bzw. Taxis)
Bild 5-6: Dennoch wird hier für Interrail geworben.

Passend zum spärlichen Bahnverkehr beginnt auch unsere erste Fahrt heute nicht am Bahnhof, sondern gegenüber am benachbarten Busbahnhof. Zunächst fahren wir mit dem Bus an die italienischen Grenze.

Bild 5-7: Dieser Mercedes fährt zum Grenzübergang Lazaret.
Bild 5-8: Die Straße verläuft abschnittsweise direkt an der Küstenlinie.
Bild 5-9: Nahe der slowenisch-italienischen Grenze bietet eine kleine Landspitze bei gutem Wetter Aussicht bis zu den entfernten Bergketten der Alpen.
Bild 5-10: Bella Itali(j)a!

Den verlassenen Grenzübergang queren wir zu Fuß, da die slowenischen Busse südlich der Grenze an der Haltestelle Lazaret meja enden und die italienischen Busse erst ihrerseits der Grenze an der Endstelle Lazzaretto beginnen. Während der slowenische Fahrplan „nachfrageorientiert“ gehalten ist, verkehren die Busse der Linie 7 zwischen Lazzaretto und der nächstgrößeren Stadt Muggia im 40-Minuten-Takt. Wir nutzen den aus der Vorleistung leicht verspäteten Takt um 9:55. Beim Einstieg halte ich selbstverständlich etwas Bargeld zum Lösen der Fahrkarte bereit. Der Fahrer öffnet allerdings nur hinten und außer eines Geräts zum Scannen von Chipkarten ist keine Verkaufseinrichtung für Fahrkarten im Bus vorhanden ist. Noch bevor ich nach vorne durchgehen kann, um nach einer Fahrkarte zu fragen, schließt der Fahrer die Türen und fährt ab. So freuen wir uns erneut über eine (ungeplant) kostenfreie Fahrt, für die wir selbstverständlich zu bezahlen gewillt waren.

Bild 5-11: Die Straßen verläuft auch in Italien direkt an der Küste.
Bild 5-12: Busbahnhof von Muggia
Bild 5-13: Gassen im Zentrum von Muggia
Bild 5-14: Castello

Von Muggia aus gäbe es nun ebenfalls regelmäßigen Busverkehr nach Trieste. Wir entscheiden uns allerdings für ein wassergebundenes Verkehrsmittel.

Bild 5-15: Delfino Verde

Zwischen Muggia und Trieste verkehren Linienschiffe alle 70 Minuten (mit Ausnahme einer Mittagsruhe von 12:30 bis 14:00) bei einer Fahrzeit von ca. 30 Minuten. Die nächste Abfahrt um 10:45 passt genau in unseren Reiseplan. Leider ist die Anlegestelle schwierig zu finden, denn dafür muss man wissen, dass die Fähre unter der Marke „Delfino Verde“ vertrieben wird. Davon habe ich aber erst durch Nachfrage bei einem freundlichen Hafenmitarbeiter Kenntnis genommen. Die Abfahrt findet jedenfalls genau an der Stelle statt, die als Fährstelle „Muggia Molo Esterno“ bei Google Maps eingetragen ist, auch wenn es vor Ort keine große Infrastruktur gibt. Die Fahrt mit der Fähre ist bei sonnigem Wetter in ruhigem Wasser wunderschön.

Bilder 5-16 und 5-17: ruhige See
Bild 5-18: Personenschiff im Hafen von Trieste

Erstaunlicherweise sind wir stadteinwärts am Vormittag entgegen der Lastrichtung unterwegs. Unsere Fahrt ist nur mit ca. 10 Fahrgästen besetzt. Ausgestiegen sind in Muggia dafür zwei ganze Reisegruppen und in Trieste steht schon die nächste Gruppe für die Folgefahrt bereit.

Bis zur Weiterfahrt (dann wieder auf der Schiene) verbringen wir noch etwas Zeit in Trieste.

Bild 5-19: Arco di Riccardo
Bild 5-20: Foro Romano vor der Cattedrale di San Giusto Martire
Bild 5-21: Piazza Unita d’Italia
Bild 5-22: In Bahnhofsnähe ist ein Wegweiser zur Straßenbahn nach Villa Opinica zu finden, die allerdings seit einigen Jahren nicht mehr in Betrieb ist.

Am Bahnhof Trieste Centrale setzen wir unsere Reise mit der italienischen Staatsbahn fort.

Bild 5-23: Im Bahnhof Trieste Centrale stehen ein Intercity…
Bild 5-24: …und unser Regionale Veloce nach Venezia.
Bild 5-25: Das Meer befindet sich auf der linken Seite…
Bild 5-26: …und die Berge im Hintergrund auf der rechten Seite.
Bild 5-27: Bei Monfalcone queren wir den Isonzo, einen Alpenfluss.
Das Flussbett besteht aus Geröll, welches der Fluss aus dem Gebirge dorthin schwemmt. Bei Hochwasser bildet sich im Flussbett ein durchgehender Strom, der abhängig von der Wassermenge und der Verteilung des Schotters immer an anderen Stellen kleine Inseln bildet. In langen trockenen Phasen liegt der Fluss zeitweise (so wie hier) trocken.

Der Regionale Veloce startet pünktlich in Trieste und hält sich bis zum Zwischenhalt in Latisana im Fahrplan. Dort wird uns bei pünktlicher Einfahrt am Bahnsteiganzeiger eine Abfahrtsverspätung von 15 Minuten vorhergesagt. Da allerdings keine Störungen, die für die Verspätung ursächlich sein könnten, gemeldet sind, geht die Fahrt bereits 5 Minuten später weiter.

Bild 5-28: Prognose gemäß Anzeige +15, tatsächliche Abfahrt aber nur mit +5.

Auf dem nachfolgenden Streckenabschnitt müssen wir an einigen Bahnübergängen sehr langsam fahren bzw. zur Sicherung anhalten. Trotzdem kommen wir gut voran. In Portograuro steigen sehr viele Schüler zur Schulendzeit zu, die sich auf die nachfolgenden drei Halte verteilen. Dennoch haben wir bis zum Festlandbahnhof Venezia Mestre unsere Verspätung dank der vergleichsweise großzügig bemessenen Fahrzeiten im italienischen Regionalverkehr wieder aufgeholt. Eine Minute vor Plan erreichen wir schließlich die Lagunenstadt.

Bild 5-29: Eine lange Brücke verbindet die Lagunenstadt von Venezia mit dem Festlandstadtteil Mestre.
Bild 5-30: Unser Regionale Veloce (Mitte) erreicht den Inselbahnhof Venezia Santa Lucia. Links wartet ein Railjet auf die nächste Fahrt.

An dieser Stelle folgen nun einige Impressionen aus Venezia, auch wenn viele der Motive als „allgemein bekannt“ gelten dürften.

Bild 5-31: Bahnhofsvorplatz von Venezia
Bild 5-32: Canale Grande an der Ponte dell’Accademia
Bild 5-33: Piazza San Marco
Bild 5-34: Palazzo Ducale
Bild 5-35: Vaporettos
Bild 5-36: Ponte di Rialto
Bild 5-37: Canale Grande an der Ponte di Rialto
Bild 5-38: ein kleinerer und ruhigerer Seitenkanal
Bild 5-39: Canale Grande vor dem Hauptbahnhof. In kürze passiert ein Schiff des örtlichen Nahverkehrs die Brücke.
Bild 5-40: Haltestelle Ferrovia vor dem Bahnhof

Nach zwei Stunden schließen wir unsere Besichtigung der überlaufenen Stadt bereits ab. Venezia haben wir trotz des Massentourismus besucht, da die Stadt ohnehin auf der Reiseroute liegt und in naher Zukunft Eintrittsgelder für das Betreten der Altstadt anfallen würden. Die entsprechende Touristen-Gebühr war zum Zeitpunkt der Reisevorbereitung bereits geplant, aber noch nicht in Kraft getreten ist. So nutzen wir die Gelegenheit, um die gesamte Altstadt gebührenfrei erkunden zu dürfen. Nach dem durchaus lohnenswerten Aufenthalt in der Lagunenstadt warten wir in der Bahnhofshalle von Venezia Santa Lucia nun auf die Verkündung des Abfahrtsgleises unseres EuroCity nach Geneve, den wir für den halben Weg bis zum Tagesziel Milano nutzen werden. Beim Blick auf die Anzeigetafel fällt auf, dass aus der kleinen BÜ-Störung auf der Hinfahrt inzwischen eine große Signal- und Oberleitungsstörung geworden ist, die den gesamten Verkehr in Richtung Udine und Trieste betrifft. Der Zugverkehr in diese Richtung ist demnach eingestellt und Trenitalia ist um die Einrichtung eines BNV bemüht ist. Unsere Fahrt Richtung Milano kann davon unberührt aber pünktlich starten.

Bild 5-41: Ab Venezia bestehen viele Direktverbindungen in alle Richtung. Nach Conegliano und Udine fahren aber vorerst wegen einer Störung keine Züge.
Bild 5-42: Ein Hitachi ROCK verlässt den Bahnhof in Kürze in Richtung Verona.
Bild 5-43: Der Frecciarossa 1000 ist das Flagschiff von Trenitalia.
Bild 5-44: Am nächsten Bahnsteig fährt ein Zug der privaten Konkurrenz in den Bahnhof ein.
Bild 5-45: Wenig später wird unser Zug in Form eines Schweizer RABe 503 bereit gestellt.
Bild 5-46: Vor unserer Abfahrt verlässt dieser Regionalzug den Bahnhof.


5-47 Und schließlich zieht auch der EuroCity davon, während am Bahnsteig gegenüber ein Frecciarossa ETR 700 einfährt

Bild 5-47: Schließlich verlassen wir pünktlich Venezia, als am Bahnsteig gegenüber gerade ein Frecciarossa ETR 700 eintrifft.
Bild 5-48: Erneut queren wir die Brücke zwischen der Altstadt und dem Festland.

In Bild 5-41 fällt auf, dass trotz der Störung in Richtung Udine der Railjet nach Wien planmäßig in Santa Lucia abgefahren ist. Der Zug ist allerdings nicht weit gekommen, denn in Mestre stehen wir ihm gegenüber. Die Reisenden warten draußen auf dem Bahnsteig auf neue Informationen, während wir den Bahnhof in westlicher Richtung verlassen.

Bild 5-49: Der Railjet wird erst nach Störungsende seine Fahrt in Richtung Wien fortsetzen können.

Unser Eurocity fährt pünktlich bis Verona und wird anschließend im dichten Verkehr etwas ausgebremst, sodass wir bis Peschiera del Garda einige Minuten Verspätung durch Zugfolge ansammeln. In Peschiera verlassen wir den Zug.

Bild 5-50: Der Eurocity fährt nach kurzem Halt weiter in Richtung Genève.
Bild 5-51: Am Hausbahnsteig fährt kurz darauf eine Doppeltraktion Hitachi ROCK von Trenord ein.

Da die Sonne erst in wenigen Stunden unter geht, legen wir am Abend noch einen Aufenthalt in Peschiera del Garda ein, um uns u. a. über einen Ausblick auf den Gardasee und über eine kleine Zwischenmahlzeit zu erfreuen.

Bild 5-52: Fluss Minico mit Insel.
Im Hintergrund quert ein Frecciarossa 700 die Bahnbrücke über den Fluss.
Bild 5-53: Befestigungsanlage der Altstadt von Peschiera
Bild 5-54: Canale di mezzo
Bild 5-55: Gardasee

Später nutzen wir ein Frecciarossa für die letzte Zugfahrt des Tages nach Milano.

Bild 5-56: Ein Frecciarossa ETR 700 erreicht 3 Minuten vor Plan den Bahnhof von Peschiera del Garda.
Bild 5-57: Bereits nach Einbruch der Dunkelheit kommen wir in Milano Centrale an.

In Milano bahnen wir uns den verwinkelten Weg zur U-Bahn und fahren damit bis zu unserem Hotel im Vorort Sesto San Giovanni. Wie bereits bei meiner Reise im vorherigen Jahr erweist sich der Umsteigeweg als lang und umständlich. 15 Minuten benötigen wir vom Ausstieg aus dem Zug bis zur Ankunft mit erworbener Fahrkarte am Bahnsteig der U-Bahn.

Bild 5-58: Der Weg zur U-Bahn führt durch lange Gänge…
Bild 5-59: …über lange Fahrtreppen in die jeweils nächsttieferen Ebenen…
Bild 5-60: …und schließlich durch das historischen Empfangsgebäude.
Bild 5-61: Unterhalb des Empfangsgebäudes befindet sich nach weiteren Gängen und Treppen schließlich der Zugang zur U-Bahn.
Bild 5-62: Metro Milano

Nach einem Umstieg von der M2 zur M1 an der Haltestelle Loreto erreichen wir zügig unser Hotel und genehmigen uns zum Abschluss des Tages noch eine köstliche italienische Pizza.

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