Tag 2 / 6

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Die neue Woche beginnt mit dem gleichen freundlichen Wetter, mit dem die vorherige aufgehört hat 🙂 Am zweiten Reisetag bewegen wir uns zunächst entlang von Mosel und Saar, bevor wir uns der Stadtbahn der saarländischen Landeshauptstadt widmen.

Bild 2-1: Gegen 7:30 starten wir in Koblenz Stadtmitte mit einem Mireo der Mittelrheinbahn für die kurze Anreise zum Koblenzer Hauptbahnhof. Der Mireo läuft auf einer Verstärkerfahrt der Linie RB 26, die dem Zug der regulären Taktlage ca. 10 min später hinterher fährt.
Bild 2-2: Am Hauptbahnhof steht bereits ein ungleiches Doppel für den RE in Richtung Trier bereit: Vorne läuft ein 5-teiliger FLIRT der DB Regio Mitte…
Bild 2-3: …hinten ein 3-teiliger KISS der CFL.

Zwischen Koblenz und Trier werden die Linien RE 1 und RE 11 gemeinsam geführt. Der FLIRT fährt ab Trier als RE 1 weiter über Saarbrücken und Kaiserslautern nach Mannheim; der KISS als RE 11 nach Luxembourg.

Bild 2-4: Einmal am Tag ist zudem eine Leistung des RE 11 ab Koblenz als IC (!) in Verantwortung von DB Fernverkehr nach Düsseldorf durchgebunden. Fahrgäste des IC müssen mit dieser etwas bequemeren Nahverkehrsbestuhlung vorlieb nehmen.

Die Fahrt beginnt pünktlich um kurz nach 8 Uhr und führt bis Bullay entlang der Mosel.

Bild 2-5: Blick über die Mosel auf den Koblenzer Stadtteil Lay.
Bild 2-5: Mosel kurz vor der Einfahrt in den Bahnhof Treis-Karden.
Bild 2-7: Hinter Cochem kürzt die Moselbahn einige Flussschleifen in einem Tunnel ab. Bei Ediger-Eller überquert die Strecke anschließend die Mosel und verläuft dann bis zum Bahnhof Bullay auf der anderen Flussseite.

Nach einer erneuten Moselquerung bei Bullay löst sich die Strecke von der Mosel und führt durch eine „landeinwärts“ gelegene Ebene, die eine bessere Trassierung ermöglicht. Fahrgäste können jedoch in Bullay auf die RB 85, die Moselweinbahn, umsteigen und damit der Mosel noch einige Kilometer bis nach Traben-Trarbach folgen.

Bild 2-8: Pünktlich für den Taktknoten um 9:30 erreicht der Doppel-RE den Hauptbahnhof Trier. Während der Fahrt geht übrigens auf manchen Fahrten ein Snack-Caddy durch den Doppelstockwagen – sehr zur Verwunderung einiger Fahrgäste, die sich fragen, wie der nette Service-Mitarbeiter den schweren Wagen die Treppe hochgewuchtet bekommt 😉
Bild 2-9: Kurz darauf ist der Zugverband getrennt und der FLIRT als RE 1 nach Saarbrücken – Mannheim fährt zuerst aus, bevor…
Bild 2-10: …auch der KISS als RE 11 nach Luxembourg den Bahnhof verlässt.

Trier gilt als eine der ältesten Städte Deutschlands. Die Stadt wurde vor mehr als 2.000 Jahren durch die Römer gegründet und weist daher im Stadtbild noch einige erhaltene Römerbauten auf. Sie ist dementsprechend ein beliebtes Ziel für Ausflüge und Klassenfahrten in den Schulfächern Geschichte und Latein. Da ich mich aber weder besonders für Geschichte interessiere, noch Latein als Schulfach belegt hatte, ergab sich bisher nie die Gelegenheit, die Stadt zu besuchen. Das soll sich nun ändern 😉

Bild 2-11: Wahrzeichen der Stadt ist die Porta Nigra, das „schwarze Tor“, dessen Name auf die dunkle Färbung des Sandsteins zurückgeht (die allerdings bei diesem Sonnenstand hier kaum hervor tritt).
Bild 2-12: Dahinter, in der Fußgängerzone, ist ein Modell der antiken Stadt ausgestellt. Trier hieß damals noch „Augusta Treverorum“.
Bild 2-13: Die Stadt ist zudem Domstadt des Erzbistum Trier. Der Dom geht ursprünglich ebenfalls auf die späte Antike zurück, wurde aber in wesentlichen Teilen erst im Mittelalter auf seine heutige Ausdehnung ausgebaut. Das Gebäude rechts ist die mit dem Dom verbundene Liebfrauenkirche.
Bild 2-14: Palastgarten vor dem im 17. Jahrhundert gebauten kurfürstlichen Palais. Hinter dem Palais versteckt sich die antike Konstantinbasilika.
Bild 2-15: Neben der Porta Nigra sind die Kaiserthermen eines der Bauwerke, deren Ruinen heute gegen ein Entgelt von 6,00 € zur Besichtigung offen stehen. Das ursprünglich als Badeanlage konzipierte Bauprojekt wurde noch während der Römerzeit gestoppt und zur Weiternutzung als Kaserne umgestaltet. Die Bauwerke dienten im Mittelalter als Burg und wurden teils in die Stadtmauer (im Bild links erkennbar) integriert.
Bild 2-16: Neben den oberirdischen Anlagen sind die (nie als solche genutzten) unterirdischen Bediengänge der geplanten Badeanlagen begehbar.
Bilder 2-18 und 2-19: Ein weiteres Bauwerk aus der Antike ist das Amphitheater. Die Arena diente u. a. der Unterhaltung der Stadtbevölkerung mit (sehr grausamen) „Spielen“ wie z. B. Gladiatorenkämpfen… Sie liegt am Hang auf halber Höhe des Petrisberges, sodass bei der Errichtung für die nördlichen Ränge keine aufwändigen Erdbauten erforderlich waren. Heute wird die Anlage noch zeitweise für (friedliche) Veranstaltungen genutzt.
Bild 2-20: Unterhalb der Arena befindet sich ein Keller, der im Mittelalter zur Lagerung von Wein diente. In der Antike verfügte die Arena über Aufzüge, mit denen die Akteure aus dem Keller auf das Kampffeld gehoben werden konnten.
Bild 2-21: Etwas höher am Petrisberg besteht Aussicht auf die westlichen Stadtteile von Trier sowie (hinten mittig) den weiteren Verlauf der Mosel in Richtung Konz.

Mit der Linie 4 der Stadtwerke Trier kehren wir zurück zum Bahnhof – zumindest versuchen wir es. Denn die Fahrgastinfo der SWT lässt zu wünschen übrig. Aufgrund einer Baustelle hält der Bus nicht an der Haltestelle Balduinsbrunnen / Hbf (rund 150 m vor dem selbigen). Statt dessen fährt der Bus mittels einer Häuserblockschleife um die Haltestelle herum und hält erst 300 m weiter in der Theodor-Heuss-Allee wieder. Von der etwas späteren Ankunft an dieser Haltestelle abgesehen müssen wir wegen so mancher Fußgängerampel noch fast 10 Minuten zum Bahnhof zurück gehen. An der Einstiegshaltestelle und im Bus gab es leider keine Information darüber, dass die Haltestelle am Balduinsbrunnen heute nicht angefahren wird. Im Gegenteil: Die Haltestelle wurde auf dem Innenanzeiger sogar regulär ausgewiesen. Hätten wir das vorher gewusst, hätten wir schon bei den Stadtwerken aussteigen und den Hauptbahnhof in rund 5 Minuten durch das Alleen-Center erreichen können. So müssen wir uns sputen, um den nächsten Zug in Richtung Saarbrücken noch zu erwischen.

Bild 2-22: Kurz vor der Abfahrt schaffen wir es trotz der Umstände noch in den vlexx-Hamster der Linie RB 71 nach Saarbrücken.

Die Linie RB 71 wird eigentlich von DB Regio betrieben. Einzelne Leistungen sind allerdings an vlexx fremdvergeben. Im Gegenzug fährt DB Regio einige Fahrten auf der vlexx-Linie RB 73, wie wir am Folgetag noch sehen werden. An diesem Tag stand bei der pünktlichen Abfahrt in Trier um 12:01 noch der vorherige RE 1 nach Mannheim (planmäßig ab 11:33) mit einer Prognose von ca. +40 auf der Anzeigetafel. Eine inzwischen behobene Oberleitungsstörung sorgte auf der Moselstrecke für eine rund einstündige Betriebspause. Davon unbehelligt fährt die RB dennoch zuerst ab und ich rechne zu diesem Zeitpunkt noch damit, dass wir ohne Überholung durchkommen.

Bild 2-23: Zwischen Trier und Konz folgen wir noch kurz der Mosel, bevor in Konz die Saar in die Mosel mündet.
Bild 2-24: Der Saar folgt unser Zug anschließend auf der Saarstrecke, hier bei Saarhölzbach.
Bild 2-25: „Felsklippen“ bei Mettlach

In den Bahnhof Mettlach fahren wir überraschend langsam ein und landen schließlich über einen Gleiswechsel auf dem Gegengleis. Zu meiner Verwunderung wurde offenbar tatsächlich eine Überholung durch den verspäteten RE angeordnet, auch wenn der Bahnhof Mettlach, der nur aus den beiden durchgehenden Hauptgleisen der Saarstrecke und zwei Gleiswechseln besteht, dafür wohl einer der ungünstigsten ist. Der Tf der RB teilt kurz darauf auch über Lautsprecher mit, dass sich die Weiterfahrt wegen einer Überholung verzögert. Kurzerhand satteln wir unser Gepäck und huschen durch die Unterführung neben dem Bahnübergang rüber zu Gleis 11.

Bild 2-26: Ein ungewöhnliches Bild: Der FLIRT als RE 1 links überholt sogleich den blauen Hamster als RB 71 rechts.

Der RE ist zwar deutlich voller als die RB, dafür geht die Fahrt nun aber etwas schneller voran. Um 13:14 erreichen wir unser nächstes Zwischenziel Völklingen. Für den Zug bedeutet das eine Verspätung von 43 Minuten – wir sind jedoch zwei Minuten früher als geplant am (Zwischen-)Ziel 😉

Bild 2-27: Vom Bahnsteig aus ist bereits der Grund für den Aufenthalt in Völklingen sichtbar: Die Völklinger Hütte 🙂

Das Saarland war im 20. Jahrhundert eine bedeutende Bergbauregion, in der v. a. Steinkohle gefördert wurde. Dadurch war Koks, ein aus Steinkohle gewonnener Brennstoff für die Eisenverhüttung, im Saarland günstig verfügbar. Dieser Standortvorteil begünstigte die Entwicklung der Stahlproduktion an der Saar. Die Völklinger Hütte, ein Unternehmen der Familie Röchling, bildete über viele Jahrzehnte eine der größten Eisenhütten des Saarlandes. Der im benachbarten Stahlwerk in Völklingen hergestellte Stahl spielte eine bedeutende Rolle beim Wiederaufbau Deutschlands nach dem 2. Weltkrieg. Trotzdem gerieten die Völklinger Hütte sowie die gesamte Bergbau- und Stahlbranche in den 1970er-Jahren in die Krise. Ein erbitterter Wettbewerb, billige Konkurrenz aus dem Ausland und sinkende Nachfrage aufgrund gesellschaftlicher Entwicklungen (Geburtenrückgang) sowie steigender Energiepreise (Ölkrise) führte zur Konsolidierung des Marktes. Die Völklinger Hütte fusionierte mit anderen Eisenhütten und Stahlwerken im Saarland, woraus letztlich die bis heute bestehende Saarstahl AG hervor ging. Schließlich wurde das Werk 1986 stillgelegt und unter Denkmalschutz gestellt. Heute ist das Gelände als Industriedenkmal erhalten und für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Anlagen können im Rahmen der zugänglichen Wege von den Besuchern frei erkundet werden. Mein letzter und bis dahin einziger Besuch der Völklinger Hütte fand im Rahmen einer geführten Tour kurz nach dem Abitur mit meinem damaligen Chemie-Leistungskurs statt – in einer Zeit, als man die Fahrt von Neustadt über Kaiserslautern nach Völklingen noch durchgehend im 425 mit den brettharten Original-Sitzen durchführen konnte. Damals war ich von den Anlagen so beeindruckt, dass mich nun heute auf einen zweiten Besuch freue 🙂

Bild 2-28: Zum Glück muss man nicht unbedingt Schulwissen mitbringen, um zu verstehen, was hier einst passierte – die Ausstellung erklärt es sehr anschaulich 😉

Eine kurze Zusammenfassung des Eisenverhüttungsprozess auf Basis von Bild 2-28: Das Eisenerz wird angeliefert und in der Sinteranlage verdichtet sowie mit Zuschlagstoffen versehen, die den Schmelzpunkt des Eisenerz verringern und bei der Beseitigung ungewollter Begleitstoffe (wie z. B. Phosphor und Schwefel) im Eisenerz helfen. Das „angereicherte“ Eisenerz wird Möller genannt und dem Hochofen zugeführt. Zugleich wird der Hochofen mit Koks als Brennstoff versorgt, welches in der ebenfalls zum Betrieb gehörenden Kokerei aus der angelieferten Steinkohle hergestellt wird. Im Hochofen findet dann der eigentliche Verhüttungsprozess statt: Das Eisenerz reagiert mit Kohlenstoffmonoxid und es entsteht Roheisen sowie Kohlenstoffdioxid, welches in der heißen Zone des Hochofens mit weiterem Kohlenstoff aus dem eingefüllten Koks wiederum zu Kohlenstoffmonoxid reagiert. Damit die Prozesse im Hochofen stabil bleiben, wird Luft (bzw. Wind) in den heißen unteren Zonen zugeführt, der im Hochofen einen Gasstrom nach oben erzeugt. Das Gas strömt damit dem Koks-Möller-Gemisch entgegen. Aus dem Hochofen tritt warmes Gichtgas (das v. a. aus Stickstoff besteht) aus, welches u. a. zum Betrieb der Sinteranlage und zum „Vorheizen“ des Windstroms genutzt wird. Es kann aber auch z. B. die Beheizung von Wohnhäusern über Fernwärme verwendet werden. Zur Kühlung der kälteren Zonen des Hochofens wird Wasser aus der Saar verwendet. Das im Hochofen hergestellte Roheisen wird mit der Eisenbahn abtransportiert und in einem benachbarten Stahlwerk zu Stahl verarbeitet. Neben dem Roheisen ist Schlacke ein weiteres Produkt des Hochofens. Schlacke ist ein Gemisch von Nebenprodukten, die im Hochofen entstehen, welches u. a. als Baustoff verwendet werden kann.

Bild 2-29: Ein erster Blick in die Innen-…
Bild 2-30: …und außenanlagen der früheren Eisenhütte.
Bild 2-31: Arbeitssicherheit war ein wichtiges Thema auf der Hütte, den es kam in der langen Betriebsgeschichte leider zu vielen tödlichen Arbeitsunfällen. Aber: Welche Lok ist hier gemeint?
Bild 2-32: Diese hier 😉
Bild 2-33: Und hier verläuft der dazu passende Fahrweg.
Bild 2-34: Die Zuführung von Koks und Möller in den Hochofen wäre mit der Eisenbahn jedoch schwierig geworden. Dafür dient ein Hängebahnsystem.
Bild 2-35: Um die Bereiche um den Hochofen zu erkunden, müssen sich Besucher (kostenfrei) einen Helm ausleihen. Allerdings keinen von diesen hier – diese Kunstinstallation ist Denkmal für die frühere Belegschaft und die lange Geschichte der Arbeiterschaft auf den Eisenhütten im Saarland.
Bild 2-36: Langsam wird es ernst – der Schrägaufzug befördert die Gondeln mit dem Möller hinauf zum Hochofen.
Bilder 2-37 – 2-39: Die Hochofenanlage ist ein beeindruckendes Gewirr aus Leitungen, Behältern, Schornsteinen und Fußsteigen.
Bild 2-40: Ausblick vom Hochofen auf die Kokerei (rechts ist der Kohleschrägaufzug erkennbar). Dahinter sieht man aus dieser Perspektive recht gut eine größere Grünfläche. Diese ehemals ebenfalls zur Kokerei gehörende Fläche entwickelte nach der Stilllegung der Hütte eine eigene Flora und Fauna, sodass sie heute als „Paradies“ bezeichnet wird.

Die mächtigen Industrieanlagen sind und bleiben auch fast 40 Jahre nach der Stilllegung des Werks beeindruckend. Man sollte jedoch nicht vergessen, dass die Arbeit auf der Hütte unter schwierigen – teils extremen – Bedingungen stattfand. Hartes Schuften in extremer Hitze war an vielen Arbeitsplätzen Alltag. Zudem kamen während der Weltkriege auch Zwangsarbeiter zum Einsatz. Nichts desto trotz hatte die Stahlproduktion im Saarland auch einen bedeutenden Anteil am wirtschaftlichen Aufschwung Deutschlands nach Kriegsende. So bleibt ein wichtiges Kapitel der Industriegeschichte hier für nicht ganz billige, aber faire 17 € erlebbar 😉

Bild 2-41: Beim Warten auf den nächsten Zug finden wir auf einem Nebengleis diesen Torpedo-Pfannenwagen vor. Wagen dieser Bauart dienen u. a. dem Transport des flüssigen Roheisens, das früher nur wenige hundert Meter von den Hochöfen der Völklinger Hütte zum Stahlwerk direkt nebenan transportiert werden musste. Heute verhüttet die Saarstahl AG im benachbarten Dillingen noch Eisenerz zu Roheisen, weshalb das Roheisen für das Stahlwerk in Völklingen von dort aus auf der Schiene angeliefert werden muss.
Bild 2-42: Um 14:40 fährt ein Coradia Continental der DB Regio als RB 70 nach Kaiserslautern vor und präsentiert sich neben einer kleinen Denkmal-Lore, die auf die einstige Bedeutung des Bergbaus für die Region hinweist.
Bild 2-43: Rund 10 Minuten später erreicht der Zug Saarbrücken Hbf, wo fast ein vollständiger Wechsel zwischen den Fahrgästen im Zug und am Bahnsteig entsteht.

Saarbrücken ist unser heutiges Tagesziel. Es wären nur wenige Minuten Fußweg vom Bahnhof zum Hotel und die Check-In-Zeit hätten wir auch schon erreicht. Aus Zeitgründen treten wir allerdings die erste Schleife unserer Saarbahn-Tour direkt an, denn der Zubringer zum Endpunkt der Stadtbahn fährt nur im Stundentakt.

Bild 2-44: Überraschung: Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich gar nicht, dass vlexx im Dieselnetz Südwest auch Desiros einsetzt. Die Lackierung verrät, dass der Triebwagen von der ehemaligen Städtebahn Sachsen übernommen wurde, die 2019 Insolvenz anmeldenn musste.

Die Linie RB 72 macht zwischen Saarbrücken und Lebach einen leichten Bogen über Quierschied, Illingen und Eppelborn. Die Saarbahn verkehrt dagegen auf direktem Weg zwischen Saarbrücken und Lebach, sodass wir später mit der Stadtbahn in die Landeshauptstadt zurückkehren werden. Leider verzögert sich die Abfahrt in Saarbrücken ein wenig, da…

Bild 2-45: …am Nachbargleis erst noch ein TGV nach Paris raus muss. (Der Müll auf dem Tisch stammt ürbigens nicht von mir – der lag da schon…).

Nachdem der TGV den Weichenbereich freigefahren hat, dürfen wir den Bahnhof mit ca. +5 endlich verlassen. Die RB 72 befährt ab Saarbrücken zunächst die elektrifizierte Strecke Saarbrücken – Wemmetsweiler – Neunkirchen. Kurz vor Wemmetsweiler biegt der Zug an einem Gleisdreieck ab auf die eingleisige Strecke über Illingen nach Lebach. Das Gleisdreieck wird im planmäßigen SPNV durch drei Linien in allen Richtungen befahren:

  • RB 72: Saarbrücken – Quierschied – Illingen – Eppelborn – Lebach
  • RB 74: Homburg – Neunkirchen – Wemmetsweiler – Illingen (dort Umstieg zur RB 72 nach Lebach)
  • RB 76: Saarbrücken – Quierschied – Wemmetsweiler – Neunkirchen
Bild 2-46: Saarländisches „Hinterland“ bei Wemmetsweiler
Bild 2-47: In Illingen nimmt die RB 72 Umsteiger von der RB 74 aus Homburg und Neunkirchen mit in Richtung Lebach. Die Strecke ab dem Gleisdreieck ist bis Illingen elektrifiziert, sodass die RB 74 (ebenso wie die RB 76) mit Hamstern bedient werden kann.

Mittelfristig soll die RB 72 mit zu BEMU-Fahrzeugen umgebauten Hamstern betrieben werden, die dann zwischen Illingen und Lebach batterie-elektrisch verkehren sollen.

Bild 2-48: Weiterhin rund 5 Minuten verspätet erreichen wir gegen 16:00 den Endpunkt der Linie RB 72 in Lebach-Jabach. Die Stichstrecke vom Bahnhof Lebach zum Haltepunkt Lebach-Jabach ist mit 750 Volt Gleichstrom elektrifiziert, sodass auch die Saarbahn hier fahren kann.

Am Haltepunkt Lebach-Jabach können wir an diesem Tag auf die Saarbahn jedoch vergeblich warten, denn deren Züge verkehren nur zur HVZ früh und zwischen 12:00 und 16:00 bis Jabach. Sonst wenden sie bereits am Bahnhof Lebach im Zentrum der Gemeinde. Daher wechseln wir zur nahen Bushaltestelle Seminarweg und warten dort auf die „Plus-Bus“-Linie R5 der Kreisverkehrsbetriebe Saarlouis. Der Bus erreicht die Haltestelle, die sich fast am Ende des langen Linienweges von Saarlouis über Dillingen nach Lebach befindet, mit leichter Verspätung. Leider bleibt es nicht dabei, denn auf der Dillinger Straße (B 269) hat sich in der Ortsdurchfahrt ein langer Rückstau gebildet. Ursache ist eine Baustellenampel in der Saarbrücker Straße (B 268) kurz hinter dem Kreisverkehr, an dem sich beide Bundesstraßen treffen. Dadurch stauen sich Fahrzeuge in den Kreisverkehr zurück und blockieren die Kreisfahrbahn für Fahrzeuge aus unserer Straße in Richtung Innenstadt. Im Schritttempo tasten wir uns vorwärts und können nach rund 10 Minuten endlich in den Kreisverkehr einfahren. Die Weiterfahrt zum Bahnhof dauert dann zwar nicht mehr lange, aber für den Umstieg zur Saarbahn bleibt theoretisch nur noch eine Minute. Tatsächlich gestaltet sich der Übergang deutlich entspannter, denn…

Bild 2-49: …die nächste Bahn erreicht Lebach selbst erst mit über 10 Minuten Verspätung aus der Vorleistung.

Die Verspätung lässt sich bei der Wende auch nicht restlos ausgleichen. Einige Minuten nach der Abfahrtszeit beginnt demnach unsere Rückfahrt nach Saarbrücken.

Die Saarbahn ist ein Zweisystem-Betrieb nach dem „Karlsruher Modell“ (das Original steht übrigens auch noch auf dem Reiseplan 😉 ). Zwischen Lebach und Walpertshofen nutzen die Züge die reaktivierte und mit dem Stromsystem der Straßenbahn elektrifizierte Bahnstrecke Lebach – Völklingen, die zwischen Walpertshofen und Völklingen heute stillgelegt und abgebaut ist.

Bild 2-50: Die Bahnstrecke führt erneut durch das saarländische „Hinterland“, hier bei Eiweiler.

In Walpertshofen geht die Bahnstrecke in eine Überland-Straßenbahn nach Saarbrücken über.

Bild 2-51: In der Ortsdurchfahrt Riegelsberg verläuft die Straßenbahnstrecke straßenbündig.
Bild 2-52: Danach führt ein langer Überlandabschnitt auf eigenem Bahnkörper nach Saarbrücken. Die Straßenbahn wurde hier parallel zur A 1 trassiert.
Bild 2-53: In Saarbrücken queren wir erst den Stadtteil Malstatt, der durch eine Brücke über die westliche Bahnhofseinfahrt mit der Innenstadt verbunden ist. Das Gleis ganz links mündet in die Strecke nach Burbach. Das nächste Gleispaar bildet die Richtungsgleise nach Forbach bzw. Fürstenhausen. Dann folgen die durchgehenden Hauptgleise nach Burbach – Völklingen – Trier. Das nächste Gleispaar nutzen Züge aus Richtung Forbach bzw. Fürstenhausen zur Einfahrt nach Saarbrücken. Schließlich bleiben ganz rechts zwei Gleise der Saarbahn, die die Straßenbahnstrecke in die Innenstadt mit der Eisenbahnstrecke nach Forbach / Fürstenhausen verbinden.

Die Strecke nach Quierschied, über die wir Saarbrücken zuvor verlassen haben, geht schon vor dieser Brücke nach Norden ab. Zudem sei an dieser Stelle erwähnt, dass die Strecke nach Fürstenhausen nicht mehr regulär bedient wird. Es gab einige Jahre lang eine Messelinie der Saarbahn, die zur Saarmesse von der Innenstadt aus über die in Bild 2-53 ganz rechts erkennbaren Verbindungsgleise nach Fürstenhausen fuhr und dabei den Messebahnhof bediente. Diese Linie ist aber auch seit nunmehr 20 Jahren nicht mehr in Betrieb.

Bild 2-54: Am Bahnhofsvorplatz, dem Europaplatz vor derm Hauptbahnhof, steigen wir aus der Straßenbahn aus.

Jetzt ist es aber endlich Zeit, das Gepäck ins Hotel zu bringen, denn der Zug aus Lebach fährt ohnehin nicht bis zum Ende der einzigen Saarbahn-Bahnlinie 1 durch.

Bild 2-55: Vor der Weiterfahrt werfen wir in der Nähe des Hotels einen kurzen Blick auf die Saar, die Namensgeberin der Stadt, des Bundeslandes und der Stadtbahn 😉 Man sieht es zwar kaum, aber direkt hinter der Baumreihe am anderen Ufer verläuft eine vielbefahrene Stadtautobahn.
Bild 2-56: Dann kehren wir zurück zur Stadtbahn, hier unter der Brücke der Westspange…
Bild 2-57: …und hier an der Haltestelle Trierer Straße.

Dort nutzen wir den nächsten Zug in Richtung des südlichen Linienendpunktes Sarreguemines. Die Saarbahn quert die Innenstadt von Saarbrücken in West-Ost-Richtung und geht hinter der Haltestelle Römerkastell über in die Eisenbahnstrecke Saarbrücken – Sarreguemines. Diese Strecke, die mit den in Deutschland üblichen 15 kV Wechselstrom elektrifiziert ist, teilt sich die Straßenbahn mit Regionalzügen der Relation Saarbrücken – Strasbourg, von denen es aktuell wegen des Mangels an grenzüberschreitend einsetzbarem Fahrzeugmaterial aber nur wenige gibt. Lediglich zwei Fahrtenpaare pro Tag werden mit Diesel-Blauwalen der SNCF außerhalb der HVZ angeboten. Die neuen Régiolis-Triebwagen (Alstom Coradia Polyvalent) für den Grenzverkehr, die bald in Dienst gestellt werden sollen, werden hier mittelfristig eine Ausweitung des Verkehrsangebots ermöglichen.

Bild 2-58: Am letzten Halt in Deutschland in Hanweiler-Bad Rilchingen verlassen wir den Zug.
Bild 2-59: Die Grenzqeuerung zwischen Deutschland und Frankreich ermöglicht hier die „Preußische Brücke“ über die Saar.
Bild 2-60: Genau dort können wir hier noch einmal unseren Zug einfangen, der gerade die Grenze zwischen Frankreich und Deutschland passiert. Das Schild links weist auf die Infrastrukturgrenze hin – ab hier gehört das Schienennetz der SNCF Réseau.
Bild 2-61: Eine Saarbrücke außerhalb von Saarbrücken verbindet Grenzen. Das im Bild linke Ufer gehört zu Deutschland, das rechte zu Frankreich.

Wir gehen zu Fuß weiter auf französischem Territorium durch die Stadt Sarreguemines zum dortigen Bahnhof, um mit dem nächsten Zug der Saarbahn nach Saarbrücken zurück zu fahren. Für unsere Grenzquerung interessiert sich trotz der aus dem Bundesinnenministerium angekündigten Grenzkontrollen niemand – weit und breit sind keine Zöllner oder Polizisten zu sehen. An dieser Stelle können wir also absolut unbehelligt zwischen den beiden Ländern reisen – eigentlich im modernen Europa eine Selbstverständlichkeit…

Bild 2-62: Von einer Brücke nördlich des Bahnhofs sehen wir den nächsten Zug bei der Einfahrt nach Sarreguemines.
Bild 2-63: Die Saarbahn hält am einzigen elektrifizierten Gleis am Hausbahnsteig. An Gleis 4 steht zu diesem Zeitpunkt ein aus Krimmeri-Meinau bei Strasbourg angekommenes Blauwal-Pärchen, an einem bahnsteiglosen Gleis rechts einer der neuen Régiolis-Triebwagen für den grenzüberschreitenden Verkehr.
Bild 2-64: Weil es in sanfter Abendstimmung so schön ist, spendieren wir dem Bahnhofsgebäude von Sarreguemines auch noch ein Bild 😉

Unspektakulär bringt uns der rote Stadtbahn-Triebwagen aus den vorherigen Bildern zurück nach Saarbrücken. Erneut passieren wir die Grenze ohne jegliche Kontrolle.

Bild 2-65: Nach einer halben Stunde erreicht die Bahn den Vorplatz des Saarbrücker Hauptbahnhofes.

So geht auch der zweite Reisetag erfolgreich zu Ende. Am nächsten Tag erkunden wir das Pfälzer Bergland mit dem Zug und finden heraus, wofür der Stein im Namen von Bad Münster am Stein steht 😉

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