Tag 1 / 6

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Nach einem neuerlichen Umzug in die Stadt beginnt die Reise nicht wie die vorherigen in der Südpfalz, sondern am Mannheimer Hauptbahnhof – oder genauer gesagt: davor!

Bild 1-1: Die Reise beginnt an einem freundlichen Sonntagmorgen im August vor dem Mannheimer Hauptbahnhof. Gerade verlässt eine Rhein-Neckar-Variobahn der Linie 5A nach Heddesheim den Bahnhofsvorplatz.

Der erste Reisetag startet mit einer Fahrt nach Bad Dürkheim. Anschließend queren wir die nördlichen Ausläufer des Pfälzerwalds und erreichen entlang von Alsenz, Nahe und Rhein schließlich das Tagesziel Koblenz. Der schnellste Weg von Mannheim nach Bad Dürkheim führt über Neustadt-Böbig. Allerdings haben im Bahndamm lebende Dachse in diesem Jahr etwas dagegen, sodass die Strecke von Neustadt nach Bad Dürkheim ab Deidesheim gesperrt ist. Glücklicherweise ist Bad Dürkheim aber auch auf anderem Wege direkt mit der Eisenbahn ab Mannheim zu erreichen.

Bild 1-2: Eine achtachsige Einrichtungsvariante der Variobahn fährt an diesem Morgen um 8:55 als Linie 9X nach Bad Dürkheim vor.

Die Linie 9 der Rhein-Neckar Verkehrsgesellschaft ist eine Expresslinie. Sie beginnt am Mannheimer Luisenpark und führt normalerweise ab dem Hauptbahnhof direkt über die Konrad-Adenauer-Brücke zum Berliner Platz in der Nachbarstadt Ludwigshafen. Dort fahren die Straßenbahnen weiter über wiederum den Hauptbahnhof nach Oggersheim, wo die Eisenbahnstrecke in die Vorderpfalz beginnt. Wegen Baumängeln ist die Konrad-Adenauer-Brücke jedoch seit Anfang 2024 für den Straßenbahnverkehr gesperrt, sodass die Linie 9 in Mannheim über den Paradeplatz umgeleitet wird.

Bild 1-3: Die Umleitungsstrecke führt am Mannheimer Barockschloss vorbei, das heute Räumlichkeiten der Universität Mannheim beherbergt.
Bild 1-4: Über die Kurt-Schuhmacher-Brücke, die andere der beiden Rheinbrücken zwischen Mannheim (links) und Ludwigshafen (rechts), erreichen wir die Nachbarstadt in Rheinland-Pfalz. Im Bild rechts befindet sich die Rhein-Galerie – für viele die wohl einzige Attraktion in der stark verschuldeten Arbeiterstadt Ludwigshafen…

Durch die Umleitung erreicht die Bahn den Berliner Platz von der „falschen“ Seite, sodass der Zug auch zwischen Berliner Platz und Hauptbahnhof eine Umleitung über die Haltestelle Südwest-Stadion nehmen muss. Dabei befährt die Linie 9 die normalerweise nicht im Linienverkehr bediente Südeinfahrt in die unterirdische Haltestelle Ludwigshafen Hbf.

Bild 1-5: Zwischen Ludwigshafen Hbf und Oggersheim (der Heimat Helmut Kohls) fährt die Expresslinie an den meisten Haltestellen durch. Dennoch dämpfen einige Bau- und Langsamfahrstellen das Vorankommen, so z. B. dieser eingleisige Abschnitt in der Frankenthaler Straße. Die tristen Farben des Bildes stehen übrigens symbolisch für den aktuellen städtebaulichen Zustand von Ludwigshafen…
Bild 1-6: Am Bahnhof Oggersheim, der unlängst in „Oggersheim Comeniusstraße“ umbenannt wurde, geht der Zug auf die Rhein-Haardt-Bahn, eine schmalspurige Eisenbahnstrecke nach Bad Dürkheim, über.
Bild 1-7: Über die Rhein-Haardt-Bahn entfernen wir uns langsam vom Rhein und nähern uns der Haardt, einem Abschnitt des Pfälzerwaldes. Die Fahrt führt durch die weitläufige Rheinebene und somit durch die endlosen Äcker der Vorderpfalz.
Bild 1-8: In Ellerstadt lässt eine eingleisige Ortsdurchfahrt kurzzeitig wieder Straßenbahn-Flair einkehren, bevor der Zug sich auf dem letzten Überlandabschnitt seinem Ziel Bad Dürkheim nähert.
Bild 1-9: Die Kurstadt Bad Dürkheim begrüßt uns mit ihrem Wahrzeichen, dem Gradierbau „Saline“. Das über 300 Meter lange Bauwerk aus dem 19. Jahrhundert soll den Salzgehalt der Umgebungsluft zu Kurzwecken erhöhen und die Luft kühlen. Die heutige Konstruktion ist ein Nachbau aus dem Jahr 2010, nachdem das historische Bauwerk zweimal durch Brandstiftung beschädigt wurde.
Bild 1-10: Nach etwas über einer Stunde erreichen wir kurz vor 10:00 den Bahnhofsvorplatz von Bad Dürkheim in einer Wendeschleife. Der Zug fährt in Kürze zurück zum Mannheimer Luisenpark. Ein besserer Standort für das Bild ist hier übrigens nicht möglich, denn dafür müsste man mitten auf der Straße stehen 😉

Bad Dürkheim ist ein Kurort am Rande des Pfälzerwaldes. Vor rund 20 Jahren war die Stadt Ziel meiner ersten Klassenfahrt in der Grundschule. Damals wählten wir für die nur rund 30 Kilometer lange Anreise den Zug. Unser Schulleiter war ein erfahrener Wanderer und Bahnfahrer, sodass wir mit zwei Grundschulklassen den 5-Minuten-Übergang von der damals noch „namenlosen“ RB 53 zur RB 45 in Neustadt Hbf, d. h. von Gleis 5 zu Gleis 1a, geschafft haben. Mit der Baureihe 628, die zu dieser Zeit auf den Dieselstrecken der Pfalz dominierte, erreichten wir über die aktuell wegen der Dachsbauten gesperrten Strecke am Vormittag Bad Dürkheim und gingen auf Wanderung zur Klosterruine Limburg sowie zur Hardenburg. Abends kamen wir schließlich in der örtlichen Jugendherberge zur Ruhe. Heute haben wir nicht all so viel Zeit – für eine kleine Runde durch die Kurstadt reicht sie aber aus 😉

Bild 1-11: Kurpark von Bad Dürkheim
Bild 1-12: Dürkheimer Riesenfass. Das Fass ist gemessen am Volumen das größte Weinfass der Welt, dient aber nicht der Lagerung von Wein (sondern als Gaststätte).

Bad Dürkheim ist neben seiner Funktion als Kurort auch für den jährlich stattfindenden Dürkheimer Wurstmarkt bekannt. Das Weinfest titelt sich selbst mit über 600.000 Besuchern zum „größten Weinfest der Welt“. Wer diesen Andrang scheut, dem stehen in der gesamten Vorder- und Südpfalz allerdings an jedem Wochenende im Sommer noch zahlreiche andere Weinfeste in den kleinen Winzerdörfern offen. Jede Gemeinde wird natürlich für sich beanspruchen, das beste Weinfest der Region auszurichten 😉

Bild 1-13: Auch der Brunnen auf dem Bahnhofsvorplatz, der „Wurstmarktbrunnen“, ist dem lokalen Brauchtum des Weinfests gewidmet.
Bild 1-14: Wir setzen die Fahrt mit diesem „Pendelzug“ der Baureihe 623 fort.

Aus Richtung Freinsheim ist Bad Dürkheim weiterhin auf der Schiene erreichbar. Allerdings ist das Fahrgastaufkommen so gering, dass nur ein Zug stündlich zwischen Bad Dürkheim und Freinsheim pendelt. Die andere Fahrlage des regulären Halbstundentaktes wird durch einen verlängerten SEV bedient.

Bild 1-15: Durch die Weinberge der Vorderpfalz fahren wir über die Pfälzer Nordbahn nach Freinsheim. Die Ortschaft im Hintergrund ist übrigens Kallstadt, Heimatort der Vorfahren des US-Präsidenten Donald Trump.
Bild 1-16: Gerade einmal 8 Minuten nach der Abfahrt hat der Zug das Ziel Freinsheim erreicht. Nach einer halben Stunde Erholung fährt der LINT eben so lange nach Bad Dürkheim zurück und steht dort erneut 20 Minuten bis zur nächsten Runde.
Bild 1-17: LINT-Parade in Freinsheim: Wegen Bauarbeiten ist an diesem Wochenende auch die Strecke von Frankenthal nach Freinsheim gesperrt. Daher wenden hier drei Züge zur gleichen Zeit. Links der Pendelzug nach Bad Dürkheim, in der Mitte die RB 46 zum Eiswoog und rechts die RB 45 nach Monsheim. Das Gleis in der Mitte verfügt beidseitig über Bahnsteigkanten (mit den Nummern 1 und 9), sodass nach beiden Richtungen ein- und ausgestiegen werden kann.

Die Züge zum Eiswoog und nach Monsheim, die beide über Grünstadt fahren, werden mit der längeren 54-Meter-Variante der neusten LINT-Generation der DB (Baureihe 622) bedient. Für Bad Dürkheim reicht die kleinere 41-Meter-Variante (Baureihe 623) dagegen völlig aus.

Bild 1-18: In Grünstadt biegt die RB 46 von der Nordbahn auf die Eistalbahn in Richtung Eisenberg ab, die sich langsam dem Pfälzerwald nähert.
Bild 1-19: Die Fahrt führt bis zum heutigen Streckenende am Haltepunkt Eiswoog mitten im Wald. Eiswoog wird nur am Wochenende bedient; unter der Woche wenden die Züge am vorherigen Haltepunkt Ramsen.
Bild 1-20: Bis 1988 führte die Strecke weiter bis zum Knoten Enkenbach. Aktuell ist der Streckenabschnitt Enkenbach – Eiswoog aber nicht befahrbar. Einen der Gründe werden wir gleich noch sehen…
Bilder 1-21 und 1-22: Obwohl am Eiswoog ein höhengleicher Zustieg möglich ist, ist der Haltepunkt alles andere als barrierefrei. Die Strecke liegt hier am Hang, deutlich über dem Geländeniveau, sodass der Bahnsteig nur über einen steilen Waldweg erreicht werden kann.
Bild 1-23: Das Eistalviadukt ist der Grund für die aus heutiger Sicht ungünstige Trassierung der Strecke am Hang. Für die Wiederaufnahme des Betriebs in Richtung Enkenbach und Kaiserslautern müsste das Viadukt aufwändig saniert werden. Mehrere Gutachten führten aufgrund der hohen Sanierungskosten aber zu keinem positiven Nutzen-Kosten-Verhältnis, sodass die Strecke auf absehbare Zeit stillgelegt bleibt.
Bild 1-24:  Namensgeber des Haltepunkts am heutigen Streckenende ist der Eiswoog, ein Stausee des Eisbachs.
Bild 1-25: Vom Eiswoog verkehrt außerdem noch die Stumpfwaldbahn, eine kleine Gartenbahn, in Richtung Ramsen. Aktuell ist der Zug jedoch auf Strecke und kommt erst in einer halben Stunde zurück.

Wir müssen nun die rund 8 Kilometer lange Schienenlücke nach Enkenbach überwinden und nutzen dafür die sonntags zweistündlich verkehrende Buslinie 457 von Grünstadt nach Enkenbach der Verkehrsbetriebe Leininger Land.

Bild 1-26: In etwa so stellt man sich ÖPNV auf dem Land symbolisch vor – dieser hier ist aber pünktlich und verfügt sogar über Echtzeit-Daten (zumindest beim VRN) 🙂
Bild 1-27: Der Bus quert auf einer steigungsreichen Landstraße den nördlichsten Teil des Pfälzerwaldes und steigt schließlich bei Alsenborn ins Alsenztal ab.
Bild 1-28: Um 12:00 erreicht der schon etwas ältere Citaro den Bahnhof von Enkenbach.

Enkenbach ist ein Knotenbahnhof an der Alsenztalbahn. Von hier aus führen zwei Wege nach Kaiserslautern: Die direkte Strecke über Eselsfürth (wo Reisezüge heute nicht mehr halten) oder der „Umweg“ über Hochspeyer. Letzteren werden wir an Tag 3 noch selbst bereisen. In Hochspeyer gibt es zudem eine Verbindungskurve zur Pfälzischen Ludwigsbahn in Richtung Neustadt.

Bild 1-29: Während der Wartezeit auf den Anschlusszug nach Bingen fährt der gerade aus Eselsfürth kommende RE 17 von vlexx nach Koblenz ohne Halt durch den Bahnhof.
Bild 1-30: Zudem hält ein modernisierter Desiro als RB 65 nach Kaiserslautern in Enkenbach.

Um 12:41 nimmt uns ein baugleiches Fahrzeug als RB 65 nach Bingen mit. Kurz nach der Abfahrt begegnen wir einer Doppeltraktion der Baureihe 628, die als RE 36 (Bingen – Karlsruhe) die selten befahrene Verbindungskurve bei Hochspeyer in Richtung Neustadt nutzen wird. Zwei Zugpaare des RE 6 von Karlsruhe nach Neustadt sind in diesem Sommer am Wochenende als RE 36 bis nach Bingen durchgebunden, um den hohen Fahrgastandrang durch das Deutschland-Ticket zwischen Baden-Württemberg und NRW zu bewältigen.

Bild 1-31: Bei der Einfahrt in den Bahnhof von Bad Münster am Stein-Ebernburg, einem Stadtteil von Bad Kreuznach, schauen wir auf zur namensgebenden Ebernburg.

Was es mit dem Stein im Namen der Gemeinde auf sich hat, werden wir an Tag 3 noch erfahren 😉

Bild 1-32: Bad Münster am Stein ist ein Knotenbahnhof, an dem die Alsenzbahn in die Nahebahn übergeht. Hier hat die RB 65 (rechts) einen längeren Aufenthalt für einen bahnsteiggleichen Korrespondenzanschluss zum RE 3 (links) von Saarbrücken nach Mainz.
Bild 1-33: Zwischen Bad Kreuznach und Bingen folgt die RB 65 der Nahe, die in Bingen in den Rhein mündet.
Bild 1-34: Gegen 14:00 erreicht der Triebwagen den (heutigen) Hauptbahnhof von Bingen am Rhein. Der Bahnhof liegt eigentlich im Stadtteil Bingerbrück und hieß lange Zeit auch so. Da er im Gegensatz zum (heutigen) Stadtbahnhof aber den bedeutenderen Eisenbahn-Knotenpunkt zwischen Nahebahn und linker Rheinstrecke darstellt, wurde er 1993 zum Hauptbahnhof der Stadt Bingen „heraufgestuft“.
Bild 1-35: 2008 richtete Bingen die Landesgartenschau in Rheinland-Pfalz aus. Im Zuge dessen wurden die ehemaligen Gleisanlagen des Bahnhofs Bingerbrück am Rheinufer in einen Park umgestaltet, der heute frei zugänglich ist. In Anlehnung an die frühere Nutzung des Geländes sind als Denkmal ein Stellwerksgebäude…
Bild 1-36: …sowie ein ehemaliger Bahnpostwagen erhalten geblieben.
Bild 1-37: Südlich davon, auf der anderen Seite der Nahe, mündet selbige in den Rhein. In Blickrichtung beginnt hier am „Binger Loch“ das Mittelrheintal. Rechts ist die Burgruine Ehrenfels, mittig der Binger Mäuseturm zu sehen.
Bild 1-38: Zudem liegt an der Rheinpromenade nach der Stadt benannte Personenschiff 😉

Nach dem kurzen Ausflug zum Rhein finden wir uns am BÜ Salzstraße wieder und möchten zur Weiterfahrt den einige hundert Meter entfernten Stadtbahnhof erreichen. Der geschlossene BÜ hindert uns allerdings daran, sodass wir kurz warten, bis die nächste RB nach Koblenz diesen passiert hat. Als der Zug durch ist, passiert aber zunächst gar nichts.

Bild 1-39: Wenig später zieht dann erst eine Vectron einen Güterzug über den BÜ in Richtung Koblenz, bevor…
Bild 1-40: …aus der (unfotogenen) Gegenrichtung ein verspäteter IC nach Mainz auf dem Gegengleis und…
Bild 1-41: …eine ebenso in starkem Gegenlicht aufgenommene RB 26 nach Mainz noch durch müssen.

Insgesamt rund 10 Minuten bleibt der BÜ geschlossen, bevor er nach der vierten Zugdurchfahrt endlich wieder für den Straßenverkehr freigegeben wird. Insofern haben die Hinweisschilder auf die nahe Unterführung in Bild 1-39 durchaus ihre Berechtigung. Den wartenden Radfahrern nützt das aber leider nicht viel.

Bild 1-42: Trotz der Wartezeit stehen wir rechtzeitig am Bahnhof Bingen Stadt für die Weiterfahrt mit dem RE 2 nach Bingen Hbf bereit.

Um eine stündliche schnelle Reisekette zwischen Mainz und Koblenz im Nahverkehr zu ermöglichen, pendelt TransRegio in diesem Jahr an Wochenenden in einem zweistündlichen Zwischentakt des RE 2 zwischen Mainz und Bingen. Dort haben Fahrgäste Anschluss an den RE 17 von Kaiserslautern zur Weiterfahrt nach Koblenz. Zusammen mit dem zweistündlichen direkten RE 2 von DB Regio entsteht somit eine stündliche RE-Verbindung Mainz – Koblenz. Wir steigen in Bingen allerdings nicht auf den RE 17, sondern auch einen inzwischen zum Exoten gewordenen Zug um.

Bild 1-43: Gerade einmal 4 Minuten nach Plan zieht eine Lok der Baureihe 101 einen IC1-Wagenpark als IC 2012 nach Dortmund in den Bahnhof.

Das IC-Zugpaar 2012 / 2013 Dortmund – Oberstdorf ist eines der letzten, das in Deutschland noch mit den klassischen IC1-Wagen gefahren wird, und zugleich auch eines der wenigen, die unterwegs einen Traktionswechsel von Elektro auf Diesel bzw. umgekehrt erhalten. Berüchtigt ist zumindest der IC 2013 auch für seine hohen Verspätungen. Ich bin selbst in den letzten Jahren fünfmal ins Allgäu mitgefahren und habe die Zielorte entlang der Dieselstrecke zwischen Ulm und Oberstdorf nie mit weniger als einer halben Stunde Verspätung erreicht. Umso erfreulicher, dass der Gegenzug heute (definitionsgemäß) pünktlich unterwegs ist. Am Bahnsteig kommt übrigens vor dem Einstieg etwas Verwirrung auf, da im Blockabstand vor dem IC 2012 ein Leerpark ebenfalls bestehend aus einer 101 mit IC-Wagen den Rhein hinauf fuhr. Mancher Fahrgast hatte da schon Sorge, der Tf des IC könnte den Halt verpasst haben 😉

Es folgt die Fahrt durch das wunderschöne Mittelrheintal.

Bild 1-44: Da das in Rheinland-Pfalz umstrittene Bauprojekt „Mittelrheinbrücke“ wohl noch lange auf sich warten lässt, stellen mehrere Fährverbindungen (hier die Fähre Niederheimbach – Lorch) die Rheinquerung am Mittelrhein sicher.
Bild 1-45: Bei Kaub liegt auf der Insel Falkenau die Burg Pfalzgrafenstein im Rhein. Im Hintergrund säumt die Burg Gutenfels die Rheinterrassen.
Bild 1-46: Ein Flusskreuzfahrtschiff passiert den legendären Loreley-Felsen bei St. Goar.
Bild 1-47: Und hier der bei Schiffsführern berüchtigte Felsen im Portrait 🙂
Bild 1-48: Um 15:45 erreicht der IC 2012 mit nur noch +3 den Koblenzer Hauptbahnhof.

Damit haben wir das Tagesziel bereits erreicht. Unser Hotel befindet sich jedoch nicht am Hauptbahnhof, sondern in der Nähe des Haltepunkts Koblenz Stadtmitte. Somit steht in Koblenz Hbf ein letzter Umstieg an.

Bild 1-49: Nach einer 2-minütigen Fahrt in einem Mini-LINT der Baureihe 640 auf der RB 23 nach Mayen erreichen wir den Haltepunkt Koblenz Stadtmitte.

Dort bringen wir nach kurzen Fußweg zunächst unser Gepäck ins Hotel, bevor wir uns der Stadt widmen.

Bild 1-50: Kurfürstliches Schloss – zur Renovierung leider geschlossen.
Bild 1-51: Kaiser-Wilhelm-Denkmal am Deutschen Eck, dem Zusammenfluss von Mosel und Rhein. Das Eck selbst ist an diesem Tag leider abgesperrt, da am Vorabend verschiedene Feierlichkeiten zu „Rhein in Flammen“ in Koblenz statt fanden und der Abbau noch läuft.

„Rhein in Flammen“ ist eine jährliche Veranstaltungsreihe von 5 Großfeuerwerken, die an verschiedenen Orten im Mittelrheintal ausgetragen wird. Das große Feuerwerk in Koblenz war am Vorabend. An diesem Sonntag sind am Rheinufer allerdings noch einige Buden geöffnet und auch so manche Kulturveranstaltung kann am Tag nach dem Feuerwerk besucht werden. Ich persönlich wurde vor vielen Jahren als Kind von meinen Eltern zu einer Bus-Tagesfahrt zu „Rhein in Flammen“ nach St. Goar mitgenommen – ein (trotz der schlechten Öko-Bilanz!) in der Rückschau sehr schönes Erlebnis, das einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat 🙂

Bild 1-52: 120 Meter über der Stadt thront auf der rechten Rheinseite die Festung Ehrenbreitstein; eine ehemalige Militäranlage, die heute als Museum dient.

Nachdem Bingen 2008 die Landesgartenschau austragen durfte, hatte Koblenz 2011 die Bundesgartenschau zu Gast. Dafür wurde u. a. das Plateau vor der Festung Ehrenbreitstein zu einer großen Grünfläche umgestaltet. Damit die Festung von der Stadt aus bequem erreichbar ist, wurde eigens zur Bundesgartenschau eine Seilbahn errichtet. Eigentlich nur auf eine Betriebsdauer von 2 Jahren ausgelegt, durfte die Seilbahn auch dank des Engagements von Politik und Bürgern über ihre geplante Einsatzzeit hinaus bleiben.

Bild 1-53: Seilbahn Koblenz – einst nur für kurze Zeit gedacht, ist sie heute eine der Hauptattraktionen der Stadt.

Die Einzelfahrt mit der Seilbahn zur Festung kostet normalerweise 12 €. An diesem Abend lohnt sich aber das Warten, denn ab 17:30 sind vergünstigte Abendkarten zum Preis von nur noch 8 € erhältlich 😉

Bild 1-54: Die geräumigen Kabinen der Dreiseilumlaufbahn erlauben eine Beförderungsleistung bis zu 3.500 Personen pro Stunde und Richtung.
Bild 1-55: In rund 5 Minuten schweben wir hoch zur Festung und dabei über den Rhein sowie den Nordkopf des Bahnhofs Koblenz-Ehrenbreitstein (links) hinweg.
Bild 1-56: Ankunft an der Bergstation, an der Fahrgäste bei sehr langsamer Fahrt aussteigen.
Bild 1-57: Plateau vor der Festung – seit der Gartenschau 2011 eine Wiese.
Bild 1-58: Eingang zur Festung

Die Festung ist tagsüber kostenpflichtig. 10 € kostet der Eintritt, der u. a. Zugang zu den Innenräumen bietet. Um 18:00 schließt der Museumsbereich und die Einlasskontrolle macht Feierabend, denn ab dieser Uhrzeit ist der Zutritt zu den Außenanlagen der Festung kostenfrei 🙂

Bild 1-59: Hinter dem Eingang befindet sich rechts der Turm „Ungenannt“, ein Teil des Außenwalls zur Verteidigung der Ostflanke der Festung.
Bild 1-60: Die verschiedenen Teile der Festung sind u. a. mit Tunneln verbunden.
Bild 1-61: Ehrenmal des Deutschen Heeres
Bild 1-62: Oberer Schlosshof, das Zentrum der Festung.
Bild 1-63: Von dort aus besteht ein guter Ausblick auf das (an diesem Tag wegen „Rhein in Flammen“ eingezäunte) Deutsche Eck.
Bild 1-64: Modell der Festung. Der obere Schlosshof ist die große Fläche in der Mitte. Darüber verlaufen die drei Verteidigungslinien. Das lange Gebäude im unteren Teil der Festung dient heute als Jugendherberge.
Bild 1-65: Der Weg aus der Festung heraus führt erneut durch einen Felsentunnel.
Bild 1-66: Der Felsenweg, ein moderat steiler befestigter Abstieg, verbindet die Festung mit der Stadt.
Bild 1-66: Besucher können den Abstieg mit dem Schrägaufzug verkürzen, der auf der „Rückseite“ der Festung im Tal endet.

Der Schrägaufzug wird per Knopfdruck angefordert und fährt entsprechend ohne festen Fahrplan. Die einfache Fahrt mit dem Schrägaufzug kostet 4,10 €. Inhaber von gültigen Verbundfahrscheinen, zu denen auch das Deutschland-Ticket gehört, haben allerdings freie Fahrt. Wir nutzen den Schrägaufzug trotzdem nicht und führen den Abstieg auf dem Felsenweg zum Bahnhof Koblenz-Ehrenbreitstein fort.

Bild 1-68: Bahnhof Koblenz-Ehrenbreitstein

Wegen Bauarbeiten ist die rechte Rheinstrecke in diesem Abschnitt heute ganztägig gesperrt. Es verkehren daher keine Züge ab Koblenz-Ehrenbreitstein. Die RB 27 wird durch einen SEV ersetzt. Bis der nächste SEV-Bus in Ehrenbreitstein vorfährt, haben wir den Hauptbahnhof allerdings bereits längst mit der regulären Linie 8 der Koblenzer Verkehrsbetriebe erreicht.

Bild 1-69: Da die Züge nicht fahren, nutzen wir einen Stadtbus der KoVeB für die Fahrt zum Hauptbahnhof.
Bild 1-70: Schließlich fahren wir noch eine Station mit einem Desiro ML der Mitteldeutschen Regiobahn auf der Linie RB 26 zur Stadtmitte und kehren damit ins Hotel zurück.

Damit geht ein langer, wegen der warmen Witterung auch etwas anstrengender, aber dennoch schöner Reisetag zu Ende. Am Folgetag werden wir die Reise entlang von Mosel und Saar fortsetzen.

Es folgt ein kurzer editorischer Hinweis: Aufgrund einer Familienfeier am nachfolgenden Sonntag gibt es an dieser Stelle einen kleinen „Bruch“ in der Chronologie der Berichtsreihe. Eigentlich war geplant, die Reise erst eine Woche später sonntags anzutreten. Wegen der Familienfeier an diesem Tag habe ich den ersten Reisetag jedoch eine Woche früher „vorgeholt“. Der erste Berichtsteil „spielt“ also eine Woche vor der übrigen Berichtsreihe. Ich habe mich an diesem Abend nicht, wie hier angegeben, in Koblenz ins Hotel einquartiert, sondern bin abends mit dem IC durch das Rheintal nach Hause gefahren. Eine Woche später habe ich schließlich die Familienfeier abends mit dem Weinstraßen-Express verlassen und in Koblenz übernachtet, um die Reise an Tag 2 in ursprünglich geplanter „Zeitlage“ fortzusetzen. Aus diesem Grund findet in der Berichtsreihe „Rhein in Flammen“ in Koblenz zwei Tage vor dem ersten Schultag in Rheinland-Pfalz statt, obwohl eigentlich eine Woche dazwischen liegt. Vielen Dank für Ihr Verständnis!

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